Apples App Store: Eldorado für Betrüger?

Die einstigen strengen Sicherheitskontrollen scheinen bei Apple der Vergangenheit anzugehören. Immer mehr Betrugsfälle im iTunes Store werden bekannt. Nutzer werden teilweise um mehrere Hundert Dollar geprellt und Apple scheint es egal zu sein.

 

(16. 03. 2012; 13:00) In weniger als einer Stunde soll Ryan Matthew Pierson in iTunes virtuelle Güter für das populäre iPhone-Spiel iMobsters im Wert von über 437 Dollar erstanden haben. Problem an der ganzen Angelegenheit ist, dass er iMobsters nicht hat, geschweige denn es jemals gespielt hat.

Für Pierson stellt sich die gesamte Angelegenheit, die sich bereits im November ereignet hat, als Betrug durch eine unbekannte Person dar. Ihm fielen die andauernd eingehenden Benachrichtigungen über Käufe bei iTunes in seinem Email-Posteingang auf, dennoch konnte er nichts dagegen unternehmen. Daraufhin kontaktierte er umgehend Apple und auch seine Bank. Letzten Endes wurde das Problem zu seinen Gunsten gelöst.

Das Problem von Ryan Pierson ist in keinster Weise ein Einzelfall, da bereits über Hunderte an ähnlichen Beschwerden über den iTunes Store, im speziellen über den App Store, mittlerweile aufgetaucht sind. Auch wenn von Seiten des Unternehmens beide Online-Shops als die sicherste Möglichkeit des Shoppens dargestellt werden, scheint sich dies in letzter Zeit zum Negativen gewandelt zu haben.

Die Beschwerden kommen von Kunden, ähnlich wie in Ryan Piersons Fall, die sagen, dass ihre Accounts gehackt wurden oder sie Opfer von betrügerischen Applikationen sind. Anscheinend befinden sich im App-Store auch fragwürdige Programme, die bei den Nutzern nicht nur Ärger verursachen, sondern auch in vielen Fällen immense Kosten.

Software-Entwickler beschweren sich über den mittlerweile hart umkämpften Markt im App-Store, in dem einzelne Unternehmen versuchen ihre Rankings so weit wie möglich nach oben zu bringen, damit sie nicht in der Menge der Konkurrenten untergehen.

Es liegt nun an Apple umzudenken und seine Kontrollen wieder strenger durchzuführen. Zu Beginn war es zwar wegen seiner Auflagen für den App-Store kritisiert worden, aber ein zu wenig an Kontrolle führt auch nicht zum gewünschten Ziel.

Mittlerweile sind über 600.000 Applikationen für iPhones, iPads und iPod Touch-Geräte erhältlich, wodurch das Unternehmen Milliarden an Dollar Umsatz machte und auch die Entwickler verdienten nicht gerade schlecht. Dadurch ergibt sich für beide Seiten eine Win-Win-Situation. Andererseits wird aber auch Betrügern Tür und Tor geöffnet, die nichts anderes im Sinn haben, als das System zu hintergehen und Kunden zu betrügen.

Apple weigerte sich, auf Anfrage der New York Times, diesbezüglich ein Interview zu geben. Lediglich ein Statement in dem mitgeteilt wurde, dass man daran arbeitet die Sicherheitsbedingungen im iTunes- und App-Store zu verbessern, ließ Apple der NYT zukommen. Außerdem macht man Kunden darauf aufmerksam, ihre iTunes-Passwörter zu ändern und ihre Bank zu kontaktieren, wenn ihre Bankkarte oder dergleichen gestohlen wurde.

Das löst das Problem nur im Ansatz, denn mittlerweile gibt es spezielle Webseiten auf denen Hacker-Dienste für nur 35 Dollar pro Account angeboten werden. Ein Verkäufer auf DHgate, ein chinesischer Online-Marktplatz, verkaufte 56 iTunes-Accounts für 35 Dollar pro Zugangsdaten und versprach insgesamt tausende an Dollar an vorhandenem Guthaben. Mittlerweile gibt es Anbieter, die versprechen, den Code von iTunes Guthabenkarten neu generieren zu können.

Die Berichte und Beschwerden über gehackte Accounts häufen sich auch auf der Webseite Apples. Letzten Monat wurde der Fall des 20-jährigen Daniel Saewitz bekannt, der sein Passwort änderte, nachdem ihm auffiel, dass ihm für ein chinesisches iPhone Spiel über 81 Dollar in Rechnung gestellt wurden. Das half leider nichts, denn nur knapp einen Tag später wurde sein Account erneut gehackt. Aus Kulanzgründen refundierte Apple das Geld und stellte klar, dass dies die Ausnahme von der Regel sei.

Besonders Entwicklern verursacht dieser Zustand vermehrt Kopfschmerzen. Denn in den meisten Fällen werden sie für die verursachten Kosten und Ärgernisse verantwortlich gemacht. Vor allem auch der finanzielle Verlust für Entwickler darf dabei nicht außer Acht gelassen werden. Denn diese leben davon, empfohlen zu werden und und massive Kritik in den Bewertungen schadet nun mal.

Zudem kommt es in der letzten Zeit zu Diskrepanzen bei den monatlichen Auszahlungen Apples. Entwickler haben festgestellt, dass die Beträge zwischen 20 und 50 Prozent geringer sind, als die Summe der täglichen Berichte eigentlich ausmachen müsste. Ein Entwickler aus den USA, der nicht namentlich erwähnt werden will, berichtet über zahlreiche unbeantwortet gebliebene Nachrichten an Apple.

Aufgrund des anscheinenden Desinteresses Apples haben sich inzwischen über 12 Entwickler zu einer Anti-Betrugs-Allianz zusammengeschlossen.

Alex Stamos vermutet, dass Apple versucht, das heile Bild aufrecht zu erhalten und den Schein zu wahren, dass alles magisch ist. Der Mitbegründer der Sicherheitsfirma von iSec sagt, es wäre für Apple dringend an der Zeit, sich und dem Rest der Welt einzugestehen, dass ihre Produkte auch für falsche Zwecke eingesetzt werden können.

Eines der grundlegenden Probleme liegt darin, dass mit nur einem Passwort alle Apple-Services genutzt werden können. Mit ein und demselben Login kann eine 2-Dollar Applikation gekauft werden, aber genauso auch ein neues iPad für mehrere Hundert Dollar. Eine Zwei-Phasen-Verifizierung wäre daher mehr als ratsam und vor allem bedeutend sicherer.

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