Star7, die Mutter des Touchscreen-User-Interface
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Star7, die Mutter des Touchscreen-User-Interface

 
 

Bereits vor zwanzig Jahren hatte Sun Microsystems Inc. den Prototypen des Touchscreen-User-Interfaces in Händen, um dessen Patente sich die Software-Welt momentan so gerne streitet.

 

(4.8.2012, 13:15) „So, now let’s try to boot this thing up! “ James Gosling, einer der Urväter der Programmiersprache Java, präsentiert in diesem Video aus dem Jahr 1992 bereits Navigation eines Gerätes via Touchscreen und Objekten.

Neben anderen Entwicklungen ist das eine der Technologien, um deren Patente sich Apple seit Jahren mit den anderen großen Software-Herstellern streitet. Mittlerweile sind die Mitbewerber auf den Zug aufgesprungen und es wimmelt nur so vor lauter Patent-Klagen. Der Patent-Rechtsstreit hat unüberschaubare Ausmaße angenommen, und es ist inzwischen schwer zu sagen, wer den ersten Stein geworfen hat.

Offensichtlich ist, dass Sun Microsystems im Software-Industriezweig ihrer Zeit um einiges voraus waren, wirft man einen Blick auf den Star7-Prototypen. Ein Patent dafür wurde allerdings nie angemeldet, wohl auch, weil zu der Zeit Xerox noch gültige Patente dafür hatte.

Das Sun Star7 wurde im Zuge des Green Project von Sun Microsystems Anfang der 1990iger Jahre vorgestellt. Java war ursprünglich ebenfalls eine Teil-Entwicklung des Green Project und wurde für die Anwendung auf dem Star7 entwickelt.

Dieses Demo-Video, 1992 veröffentlicht, hatte nur bescheidene 2000 Views. Und doch ebnete der Sun Star7 den Weg für moderne Touchscreen-Technologie mit all ihren Facetten, die die Großen der Software-Welt jetzt so vehement für sich beanspruchen und eifersüchtig verteidigen.

Nehmt euch die 10 Minuten, die das Video dauert. Es ist wirklich informativ.

Objektorientierte Benutzeroberflächen waren in den späten 70er frühen 80er Jahren erstmals entwickelt worden. Hauptsächlich wurde das Prinzip von Xerox in seinem PARC (Palo Alto Research Center) aber natürlich auch an Universitäten erfunden und zur Reife gebracht.

Auch in Österreich entstand in den Jahren 1988 bis 1992 ein Softwarepaket, dessen Funktionsumfang etwa dem von Microsoft Office entsprach, aber eine komplett objektorientierte Bedienung hatte. Das Paket hieß „N/JOY - The World of Objects“ und war von der Firma Vienna Software Publishing entwickelt worden, deren Gründer und Geschäftsführer ich war.

Hier ein Screenshot, wie sich N/JOY dem User präsentiert hat:

 

Eine recht gute Beschreibung des Projektes findet sich in Wikipedia. Die Benutzeroberfläche war von einer Forschergruppe des Instituts für Informatik der Universität Wien unter der Führung von Univ. Prof. Günther Haring entwickelt worden. Das Hund Objekt - englisch "retriever" - stand übrigens für die Suchfunktion.

Die Oberfläche war zwar für die Bedienung mit der Maus konzipiert, wäre aber natürlich genauso für Touch geeignet gewesen, wie das Gosling in seinem Video zeigt. Viele der Objekte, wie etwa für die in dem Screenshot gezeigten Türen, hat sich übrigens Xerox patentieren lassen. Auch Vienna Software Publishing hätte an Xerox für die Verwendung des Tür-Objekts Lizenzen an Xerox zahlen müssen. Ein entsprechendes Anwaltsschreiben lag Mitte 1992 bereits vor.

Man sieht also, dass Objekte, Touch Bedienung, Patente und Patenklagen keineswegs neu oder eine Erfindung von Apple sind, sondern schon seit 20 oder 30 Jahren bekannt sind.

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via Sascha Pallenberg

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