LG G6 im Test: großes Display in kleinem Gehäuse und viel Kameratechnik

LG G6 im Test LG G6 im Test
Das neue Flaggschiff Smartphone von LG besticht vor allem mit seiner Kamera Technologie. Das Design ist eher schlicht, aber dafür steht Ergonomie in allen Bereichen im Vordergrund.

(01.05.2017, 17:10) Mit dem G6 ist LG wieder ein würdiges Flaggschiff gelungen. Es knüpft am G4 und noch mehr am für seine Zeit sehr innovativen G3 an (das G5 verschweigen wird lieber). Mit dem G6 hebt sich LG in zwei Punkten von der Konkurrenz ab: Das 5,7 Zoll Display im Format 2:1 (18:9) und der doppelten Kamera mit unterschiedlichen Brennweiten.

Es gibt aber auch einige Kritikpunkte daran. Einmal die nicht mehr zeitgemäße Ausstattung mit nur 32 GB RAM statt der nun für Flaggschiff-Smartphones üblichen 64 GB. Zwar kann man um 200 GB per microSD erweitern, aber das hat gegenüber eingebautem Speicher immer Nachteile. Eine weitere Kritik betrifft die fehlende Möglichkeit für drahtloses Laden. Persönlich finde ich das entbehrlich, denn es ist langsam und du hast neben den Kabeln noch ein weiteres Teil herumliegen. Auch die Kritik am fehlenden Qud-DAC für Audio teile ich nicht unbedingt. Wegen der Tendenz zu drahtlosem Audio hat LG nach eigener Aussage LG Hi-Fi Audio Unterstützung für Bluetooth (Apt-X HD Codec) auf seinen Premium Geräten implementiert. Angesichts der Tendenz zu Streaming Diensten in minderer Qualität reicht das allemal.

Kommen wir zum Preis. LG hat als Listenpreis 749 Euro genannt - ganz klar zu hoch im Vergleich zur Konkurrenz. Der Straßenpreis ist aber schon in vernünftige Regionen gesunken, bei Amazon ist es etwa schon um 620 Euro zu haben:

LG Mobile G6 Smartphone (14,5 cm (5,7 Zoll) QHD Plus Full Vision Display, 32GB Speicher, Android 7.0) schwarz

LG Mobile G6 Smartphone (14,5 cm (5,7 Zoll) QHD Plus Full Vision Display, 32GB Speicher, Android 7.0) weiß

Als Einstieg noch der Überblick über die wichtigsten technischen Daten:

Display: 5,7 Zoll Full Vision 18:9 QuadHD Display (2880 x 1440). 565 ppi, Gorilla Glass 3, (Helligkeit normal 500 nits, Outdoor 600 nits)
Abmessungen und Gewicht: 148 x 71,99 x 7,9 mm, Gewicht: 163 Gramm
Speicher: 32 GB Speicher erweiterbar via microSD
Prozessor: Qualcomm Snapdragon 821 (MSM8996 AC) Quad Core bis 2,35 GHz
Arbeitsspeicher: 4 GB LPDDR4 RAM
Kamera: 13 MP Dual Kameras, Weitwinkel,(f/2.4, 125° Weitwinkel) und 13 MP Standard OIS 2.0 (f/1.8, 71° Weitwinkel)
Videoaufnahme: 4K
Front-Kamera: 5 MP Frontkamera mit Weitwinkel (f/2.2, 100° Weitwinkel)
Akku: 3.300 mAh Akku
Betriebssystem: Android 7.0 Nougat mit Google Assistant
Anschlüsse: USB Type-C 2.0 (3.1-kompatibel); 3,5 mm Kopfhörer, WiFi 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.2 BLE, NFC
Weiteres: Dolby Vision HDR 10, erhältlich in den Farben: Ice Platinum, Astro Black und Mystic White, Rückseite aus Glas (Gorilla Glas 5), teilweise in Metalloptik gehalten, wasserdicht nach IP68-Standard, 2.5D-Glas

Design und Display

LG hat bei der Vorstellung erklärt, dass man die Bedürfnisse der Nutzer beim Design in den Vordergrund gestellt hat. Und das ist nachvollziehbar gelungen. Das Display hat zum Metallrahmen hin schmale Ränder. Gerade so viel, dass es sich gut halten lässt, ohne dass man sich mit dem Daumenballen Teile des Inhalts überdeckt. Ein randloses Display ist zwar im Moment en vogue, aber wenig ergonomisch.

LG hat auch auf ein gebogenes Display verzichtet. Nach zwei Jahren mit Smartphones mit seitlich gebogenen Bildschirmen, schätze ich persönlich wieder ein flaches Display. Es ist auch am Rand gut lesbar und genauso bedienbar wie in der Mitte. Auch hier siegt beim G6 die Ergonomie über die Mode.

Abgesehen von der Ergonomie hat das flache Display auch noch den Vorteil wesentlich bruchsicherer zu sein. Das Phone kann beim Sturz nicht auf ein gebogenes und unter Spannung stehendes Glasteil aufprallen, was in der Regel zu einem von Sprüngen durchzogenen und daher zu reparierenden Display führt. Dazu hat LG die Ecken noch rund ausgeführt, was ebenfalls einen Schwachpunkt beseitigt.

Die Front ist mit dem schon älteren Gorilla Glas 3 abgedeckt und darüber wurde noch eine Folie gezogen. Wenn das Display nicht direkt auf etwas spitzes fällt, wird es einen Sturz wohl unbeschadet überstehen.

LG G6 Rückseite

Die Rückseite ist aus dem neueren und härterem Gorilla Glas 5 und ebenfalls mit einer Folie zusätzlich geschützt, nur die Kamera Linsen sind ausgespart. Der optische Eindruck wirkt dadurch nicht so edel wie reines Glas oder Metall, im Gebrauch ist diese Ausführung aber eindeutig widerstandsfähiger.

Die Rückseite ist flach, aber seitlich leicht gebogen, so dass es ganz fein in der Hand liegt. Kamera und Fingerprint Sensor, der auch als Power Taste dient, stehen nicht hervor. Der bei LG traditionell an der Rückseite angebrachte Fingerprint Sensor entsperrt rasch und zuverlässig. Meine Sache ist ein Fingerprint Sensor an der Rückseite nicht, nutze ich doch das Gerät zu oft am Tisch liegend. Genauso wenig mag ich On-Screen Tasten, die doch bei vielen Apps ein nach-oben-Wischen erfordern, bevor sie betätigt werden können. Aber das ist leider auch beim Samsungs neuesten Modellen nicht besser.

LG G6 Kamera und Fingerprint Sensor

Insgesamt wirkt das Design schlicht und zweckorientiert. Die Ausführung ist solide Qualität. Das Gerät ist auch nach IP68 wasser- und staubdicht, der Sturz in die Badewanne schadet also nicht.

Die Diagonale des Bildschirms misst 5,7 Zoll. Trotzdem haben wir es nicht mit einem Phablet zu tun, denn es ist gleich breit wie ein 5,2 Zoll Display im klassischen 16:9 Format. Damit bekommt man ein kompaktes Gerät (148,9x71,9x7,9 Millimeter), aber mit einem etwas größerem Display dank des gestreckten 18:9 (2:1) Seitenverhältnisses. Nützlich ist dieses veränderte Seitenverhältnis bei Chat-Apps, im Browser und sonst nirgends. Ich schalte die meisten Apps, auch wenn sie auf 18:9 vom Betriebssystem verändert wurden, wieder auf 16:9 zurück. Doch eine Ausnahme gibt es, wo 2:1 wirklich gut kommt: Das G6 kann Fotos im 18:9 Format aufnehmen und das sieht wirklich gut aus. Für mich ist das die einzige legitime Rechtfertigung für das veränderte Format. Aber zu den Fotos später mehr.

Mit 2880x1440 Pixel und 564,9 Pixel pro Zoll ist das G6 eines der derzeit schärfsten Smartphones am Markt. So ändert sich die Pixeldichte trotz des größeren Displays im Vergleich zum Vorgänger LG G5 nur minimal. Der Bildschirm des G5 ist aber deutlich heller, doch ist auch dsa G6 im Sonnenlicht noch perfekt ablesbar und bei seitlichem Blickwinkel ändern sich Farben und Kontrast kaum.

Ferner gibt es ein Always-On-Display, Informationen zu eingehenden Nachrichten werden hier angezeigt – oder die Uhrzeit. Ist deaktivierbar, generell oder auf Basis Zeit. Auch einen Blaulichtfilter hat das LG G6 an Bord.

Hardware, Akku und Performance

Das G6 kommt mit dem schon etwas älteren Snapdragon 821 und verwendet nicht das Modell des Jahres 2017, den Snapdragon 835. Wer den Unterschied erkennen möchte, muss Benchmarks bemühen. In der Praxis ist jedenfalls nichts bemerkbar und wird es auch für die nächsten zwei oder mehr Jahre nicht sein.

LG hat diesmal die Kühlung des Prozessors und der Komponenten für die Kommunikation sehr gut gelöst. Mit dem Akkufresser Pokemon GO steigt die Temperatur zwar auf um die 50 Grad, das ist aber weniger als bei fast allen anderen Geräten. Wärme entsteht bei Nianticts Augmented Reality Games Ingress und Pokemon GO durch die dauernde Abfrage der Position, die permanente Datenübertragung um das Inventar aktuell zu halten und Items in der Umgebung anzeigen zu können. sowie die aufwändige Grafik Darstellung. Und deshalb ist auch der Akku nach drei oder spätestens vier Stunden komplett leer.

Bei "normaler" Nutzung hält der Akku mit einer Kapazität von erfreulichen 3300 mAh aber locker einen Tag oder länger. Und dank Quick Charge 3.0 ist er in rund 100 Minuten wieder voll aufgeladen.

Software

LG setzt wie die anderen großen Hersteller ebenfalls auf Android 7.0, eine vernünftige Entscheidung gegenüber der fehlanfälligen Version 7.1. Und es wäre nicht ein koreanisches Unternehmen, hätten wir nicht einige Verbesserungen und Veränderungen mit an Bord. So hatte LG lange vor Google bereits Multi Window realisiert, was nun bei dem verlängerten 18:9 Display im Querformat zusätzliche Vorteile bietet.

Als Standard hat die Software des G6 keine App Lade, die Apps werden direkt auf den Home Screens angezeigt, wie wir das von Apples iOS kennen. Da die meisten Apps in Android aber kostenlos sind, haben wohl viele User mehr Apps als vernünftig auf Home Screens unterzubringen sind.

LG G6 Software EinstellungenLG G6 Software EinstellungenLG G6 Software Einstellungen

LG bietet daher die Möglichkeit, neben dem Standard auf "Home & App Menü" umzustellen, wie in den ersten beiden Screenshots zu sehen. Da aber aus unerfindlichen Gründen die Designer bei LG glauben, dass App besser aussehen, wenn man sie in eine graue Umrahmung presst, wäre meine Wahl ohnehin der Nova Launcher.

LG bietet auch noch die Möglichkeit die Bedienungsleiste an die eigenen Wünsche anzupassen. Man kann grundsätzlich zwischen dem voreingestellten Weiß wählen, oder es in unauffälligem Schwarz halten. Dazu lassen sich die Tasten beliebig anordnen und auch auf bis zu fünf erweitern. Voreingestellt ist der Google Standard mit der Zurück-Taste links, was für mich aber unpraktisch ist - deshalb zeigen meine Screenshots die Zurück-Taste auch auf der rechten Seite und eben vor schwarzem Hintergrund.

LG G6 Software EinstellungenLG G6 Software Einstellungen

Dazu gibt es noch einige bekannte Funktionen, die nützlich sind. Automatisch das WLAN justieren, wenn man daheim ist oder eine bestimmte App öffnen, wenn ein Bluetooth-Gerät angeschlossen wird. Smart Settings sind praktisch, wie auch die bekannten LG-Funktionen wie Knock On zum Einschalten oder Deaktivieren des Displays. Der Sperrbildschirm lässt sich mit Apps belegen, damit man diese schnell starten kann. Besser als die Google Apps finde ich auch den Kalender und Quickmemo von LG.

Ebenfalls echt brauchbar ist die mitgelieferte Memo-Software. Screenshots festhalten und bearbeiten, Texte tippen oder mit der Hand schreiben, inklusive PDF-Exportmöglichkeit. Wie bei Quickmemo eignet sich der Kalender nicht nur für Termine, sondern auch für Erinnerungen und Listen. Man kann sogar Facebook-Termine einfach übernehmen oder aber auch Bilder und andere Inhalte zu Terminen anheften. Erinnert stark an Microsofts OneNote. Auch die Galerie App ist bedienungsfreundlicher als das, was als Standard in Android zu finden ist, sprich Google Fotos.

Und noch etwas. Es gibt kostenlos 100 GB Google-Drive-Speicher für zwei Jahre. Aber: Selbst als Käufer bekommst du die 100 GB nicht, wenn du schon einmal ein LG-Gerät mit so einer Aktion gekauft hast.

Die Kamera(s)

Dual-Kameras finden sich mittlerweile in immer mehr Top-Smartphones. LG war sogar einer der Vorreiter. Aber die Koreaner verfolgen andere Wege als etwa Huawei mit seiner Leica Kamera in den P- und Mate-Serien, oder Apple in seinem iPhone Plus. LG verbaut im Gegensatz zur Konkurrenz zwei voneinander unabhängige Kameras mit verschieden großen Öffnungswinkeln bzw Brennweiten. Die normale Kamera hat 13 MP, OIS 2.0, f/1.8 und 71° Öffnungswinkel bei einer Brennweite von 4 mm. Die zweite Kamera löst ebenfalls mit 13 MP auf, hat aber f/2.4 sowie 125° Weitwinkel bzw eine Brennweite von 2 mm.  Bei einer Innenaufnahme sieht der Unterschied vom gleichen Standort dann so aus:

LG G6 Kamera

LG G6 Kamera

Auffällig an den Fotos ist das Format. Die Kamera App ist auf eine Aufnahme im 2:1 Format voreingestellt. Ich gestehe, ich war gegenüber diesem Format zunächst skeptisch, aber bei einem halbwegs passenden Motiv sieht dieses Format einfach Spitze aus.

Aber es passt nicht überall und da der Sensor nativ ein 4:3 Format hat, bekommt man damit auch die höchste Auflösung von 13 MP, bei 16:9 sind es 9,7 MP und bei 18:9 sind es 8,7 MP.

Bei Architektur Fotos ist 2:1 nur bedingt geeignet. Hier eine Serie von Aufnahmen eines Rathauses, bei dem ihr die Unterschiede von allen Möglichkeiten seht. Zunächst im Format 4:3, zuerst mit "normalem" Winkel und danach der Weitwinkel:

LG G6 Kamera

LG G6 Kamera

Die Stangen für die Verkehrsschilder sind natürlich gerade, hier ist gut erkennbar, wie es bei diesem extremen Weitwinkel an den Rändern zu Verzerrungen kommt.

Aber nun das gleiche Motiv nun im 16:9 Format:

LG G6 Kamera

LG G6 Kamera

Und nun im 18:9 Seitenverhältnis:

LG G6 Kamera

LG G6 Kamera

Es gibt es also eine ziemlich große Auswahl, wie man ein Motiv aufnehmen kann - und das alles einfach mit der Automatik, ohne noch die Möglichkeiten der manuellen Einstellungen zu nutzen. Bei einem recht hohen Motiv würde ich jedenfalls das 4:3 Format vorziehen, oder eben den Weitwinkel nutzen.

Bei Landschaftsaufnahmen kann das 18:9 Format sehr spannende Ergebnisse erzielen, wie an den folgenden Bildern gut erkennbar ist.

LG G6 Kamera

LG G6 Kamera

LG G6 Kamera

LG G6 Kamera

Die Selfie Kamera hat mit 5 MP nicht die absolute Top Kamera, die Ergebnisse aber recht gut. Videos lassen sich im 16 :19 Format in UHD und FHD produzieren, letzteres auch mit 60 fps. Videos im 18:9 Format sind mit in FHD und HD möglich - das gibt spannende neue Möglichkeiten, vor allem auch weil man während der Aufnahme zwischen den beiden Kameras wechseln kann und mit dem Weitwinkel ziemlich tief in eine Szne "hineingehen" kann.

Mein Fazit

Das LG G6 ist kein Hingucker, das Design schlicht, dafür aber auf hohe Ergonomie und gute Bedienbarkeit getrimmt. Mit dem 5,7 Zoll Display hat man für nahezu alle Gelegenheiten genug Platz und insbesondere bei Fotos und Videos ermöglicht das 2:1 Format spannende Aufnahmen.

Die Leistung entspricht dem was man von einem Top-Smartphone des Jahres 2017 erwarten kann. Einen Minuspunkt bekommt das G6 wegen der mageren Ausstattung mit nur 32 GB Speicher. Und ebenfalls ein Minuspunkt - zumindest für meinen persönlichen Geschmack - gibt es für den Fingerprint Sensor an der Rückseite.

Die doppelte Kamera ist hingegen ein großer Pluspunkt. Motive, bei denen man mit anderen Smartphones verzweifelt, lassen sich mit dem G6 noch immer perfekt einfangen. Allerdings ist dabei schon die Bereitschaft vorausgesetzt etwas auszuprobieren um die optimale Möglichkeit zu finden.

Mit dem derzeitigen Straßenpreis von 620 Euro ist das G6 durchaus eine nähere Überlegung wert.

LG Mobile G6 Smartphone (14,5 cm (5,7 Zoll) QHD Plus Full Vision Display, 32GB Speicher, Android 7.0) schwarz

LG Mobile G6 Smartphone (14,5 cm (5,7 Zoll) QHD Plus Full Vision Display, 32GB Speicher, Android 7.0) weiß

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