Huawei P10 Plus im Test: das erste wirkliche Leica-Kamera-Phone (Teil 1)

Huawei P10 Plus im Test Huawei P10 Plus im Test

Das Huawei P10 Plus besticht vor allem durch die besten Fotos, die man mit einem derzeitigen Smartphone machen kann. Top auch die Ausstattung mit 6 GB RAM, 128 GB Speicher, einem schnellen Prozessor und einem lichtstarkem Display. Im Teil 1 geht es um Design, Hardware, Performance und Software.

(10.04.2017, 08:30) Huawei setzt mit dem P10 und P10 Plus seine immer erfolgreichere Serie von Flaggschiff Smartphones fort. Und dieses Jahr ist insbesondere mit dem P10 Plus ein besonderes Highlight gelungen: Die Kamera ist wohl die beste, die derzeit in einem Smartphone zu haben ist. Sie wird im Gegensatz zum P9 dem Namen Leica voll gerecht. Die Fotos vermitteln einen Eindruck von Tiefe, der schon dem nahe kommt, was das überlegene optische System des menschlichen Auges zustande bringt. Ähnliches ist mit keinem anderen derzeit erhältlichen Smartphone zu erzielen.

Aber dazu später mehr. Zunächst zu dem, was das Smartphone sonst noch zu bieten hat, denn das ist auch nicht von schlechten Eltern. Die beiden P10 Modelle unterscheiden sich vor allem hinsichtlich Display Größe und Kamera. Das P10 Plus kommt mit einem 5,5 Zoll IPS Display mit QHD Auflösung von 1440 x 2560 Pixel, während das P10 über ein 5,1 Zoll Display mit FullHD Auflösung von 1080 x 1920 Pixel verfügt.

Auch bei der Kamera gibt es Unterschiede. Beide haben zwar für die Hauptkamera das Dual-Kamera System mit 20 MP Monochrom Sensor und 12 MP RGB Sensor. Aber das P10 hat Summarit Linsen (wie beim P9) mit einer Blende von f/2.2, während das P10 Plus die lichtstärkeren Summilux-Linsen mit einer f/1.8 Blende erhalten hat. An der Vorderseite findet sich erstmals ebenfalls eine Leica-Cam. Im P10 kommt sie mit Fixfokus, das P10 Plus bietet auch auf der Vorderseite Autofokus.

Ausgestattet sind beide Geräte mit dem Kirin 960 SoC, der einen 2,4 GHz Octa-Core-Prozessor und eine Mali G-71 GPU für alle grafisch intensiven Anwendungen beherbergt. CPU und Speicher werden dabei durch Machine Learning (findet direkt auf dem Gerät statt) so angepasst, sodass die Nutzung auch auf Dauer nicht langsamer wird. Dem P10 Plus stehen satte 6 GB RAM zur Verfügung im P10 sind es noch immer reichliche 4 GB. Auch bei der Kapazität des internen Speichers gibt es einen Unterschied: 64 GB im P10 und 128 GB im P10 Plus.

Hier der Überblick über die technischen Daten:

 
  Huawei P10
Huawei P10 Plus
Display 5,1 Zoll, 1920 x 1080 px, 432 ppi 5,5 Zoll, 2560 x 1440 px, 540 ppi
Prozessor Kirin 960 Octa-Core 4 x 2,4 GHz (Cortex A73), 4 x 1,8 GHz (Cortex A53) Kirin 960 Octa-Core 4 x 2,4 GHz (Cortex A73), 4 x 1,8 GHz (Cortex A53)
Arbeitsspeicher 4 GB 6 GB
Speicher 64 GB, per microSD-Karte erweiterbar um bis zu 256 GB 128 GB, per microSD-Karte erweiterbar um bis zu 256 GB
Betriebssystem Android 7.0 Nougat, EMUI 5.1 Android 7.0 Nougat, EMUI 5.1
Kamera hinten
  20 MP Monochrom + 12 MP RGB Leica Dual-Kamera, Hybrid Zoom, Hybrid AF, OIS, 2-farbiger LED-Blitz
20 MP Monochrom + 12 MP RGB Leica Dual-Kamera, Hybrid Zoom, Hybrid AF, OIS, 2-farbiger LED-Blitz
Kamera vorne 8 MP 8 MP Autofokus
Akku 3.200 mAh mit HUAWEI SuperCharge 3.750 mAh mit HUAWEI SuperCharge
Konnektivität WiFi: 802.11 a/b/g/n/ac, 2,4 G + 5 G, 2,4 G MIMO, Bluetooth 4.2, NFC WiFi: 802.11 a/b/g/n/ac, 2,4 G + 5 G, 2,4 G MIMO + 5 G MIMO, Bluetooth 4.2, NFC
USB USB Type-C (High Speed USB 2.0) USB Type-C (High Speed USB 2.0)
Maße 145,3 x 69,3 x 6,98 mm 153,5 x 74,2 x 6,98 mm
Gewicht 145 Gramm 165 Gramm

Im Moment gibt es nur das P10, das P10 Plus sollte aber ebenfalls in einigen Tagen erhältlich sein:

Huawei P10 Smartphone (12,95 cm (5,1 Zoll) Touch-Display, 64 GB Interner Speicher, Android 7.0) Mystic Silver

Im Folgenden befassen wir uns mit dem P10 Plus, insbesondere auch was die Fotos anlangt.

Design, Display und Verarbeitung

Auch Huawei folgt mit seiner Designlinie dem derzeitigen Trend zu Rundungen. Das Gehäuse ist aus einem Stück Aluminium gefräst, wobei es an allen Seiten gerundet in das Display übergeht. Das Material ist offenbar recht weich und lässt sich hinten in der Mitte etwas eindrücken.

Huawei P10 Plus  Rückseite

Am oberen Ende findet sich unter Glas das Leica Dual-Kamera Modul, das flach mit dem Gehäuse abschließt und das Gerät daher wackelfrei am Tisch liegen lässt.

Huawei P10 Plus Leica Kamera

Mit Maßen von 74,2 x 153,5 x 6,98 mm liegt es durch die Rundungen sehr angenehm in der Hand und die 165 Gramm fühlen sich recht leicht an. Für die P10 Modelle gibt es diesmal eine ganze Farbpalette, von der es aber am Anfang nur "Graphite Black" gibt.

An der Vorderseite erwartet uns für Huawei eine Neuerung: nämlich der Fingerprint Sensor. Der war bei bisherigen Modellen an der Rückseite zu finden und wurde nun nach vorne verlegt. Persönlich begrüße ich das sehr, denn damit lässt sich das Smartphone in der Lage entsperren, in der man es braucht, nämlich Display zu mir gerichtet. egal ob es am Tisch liegt, in einer Autohalterung steckt oder ob ich es in der Hand halte. Und das geht beim P10 Plus absolut zuverlässig und völlig verzögerungsfrei. Beim Fingerprint Sensor bewegt sich nichts, er sitzt einfach unter einer Glasabdeckung.

Huawei P10 Plus Home Taste

Und Huawei nimmt damit von noch etwas Abschied, nämlich von den On-Screen Tasten, wie sie bei Google in Standard Android üblich sind. Diese belegen nur unnötig Platz und in einigen Situationen oder Apps muss man erst nach oben Wischen damit sie sichtbar werden. Aber Fans davon können sie dennoch beibehalten, denn sie sind standardmäßig noch immer vorhanden. In den Einstellungen findet sich ein Punkt "Navigationstasten", bei dem man das Layout der On-Screen-Tasten auswählen kann, oder eben ganz auf die Navigation über die physische Home umschalten kann.

Huawei P10 Plus Einstellung NavigationstastenHuawei P10 Plus Einstellung NavigationstastenHuawei P10 Plus Einstellung Navigationstasten

Und da hat sich Huawei etwas Geniales einfallen lassen. Statt noch links und rechts zwei kapazitive Tasten für "Zurück" und geöffnete Apps anzubringen wie das überall anders üblich ist, lässt sich das alles über die Home Taste machen. Antippen meint "Zurück", nach links oder rechts streichen bringt die geöffneten Apps und ein etwas längerer Druck entspricht Home. Ich habe mich nach kurzer Zeit daran gewöhnt und frage mich echt, warum das nicht schon immer so gemacht wurde.

Aber weiter zum Display. Vielleicht ist euch beim Foto oben die aufgeklebte Folie aufgefallen und ihr fragt euch, warum ich das gemacht habe. Habe ich nicht, das kommt so vom Werk. Die Folie ist weich und zerkratzt sich ziemlich flott. Sie nimmt auch gerne Schmutz und Fett von den Fingern auf. Das durch Gorilla Glas 5 geschützte Display soll aber noch schneller verschmieren und noch schlechter zu reinigen sein. Huawei hat aus unerfindlichen Gründen auf eine oleophobe Beschichtung verzichtet und klebt als Ersatz die Folie auf. 

Das Display selbst ist in IPS Technologie ausgeführt und löst wie schon oben erwähnt mit 1440 x 2560 Pixel auf. Es ist sehr leuchtstark und blickwinkelstabil. Die Farben sind natürlich nicht so kräftig mit der OLED Technologie. Im hellen Sonnenlicht würde ich mir insbesondere beim Fotografieren aber mehr Leuchtkraft wünschen. So weiß man nur ziemlich ungefähr, was man aufnimmt.

Es gibt auch einen Blaufilter, der zeitgesteuert ein- und ausgeschaltet werden kann. Eine Automatik, die ja nach Ort nach Sonnenstand ein- und ausschaltet, fehlt allerdings.

Sehr solide sind die Tasten ausgeführt. Sie sind zwar auf einer Seite, aber die Power Taste hebt sich dank Riffelung und roter Umrandung gut ab. Die Tasten sind daher sicher und gut bedienbar und sie sind auch so weit oben angebracht, dass sie nicht von einer Autohalterung betätigt werden.

Huawei P10 Plus  Tasten

Erfreulich finde ich auch, dass Huawei Platz für den 3,5 mm Audiostecker findet, obwohl der Akku mit 3.750 mAh Kapazität mächtig große ausfällt und das Gerät knapp weniger als 7 mm dünn ist. Aber wenn man sich bemüht, geht das offensichtlich.

Huawei P10 Plus Unterseite

An der Unterseite findet sich auch noch der USB-C Stecker - allerdings setzt Huawei lediglich auf den USB 2.0-Standard - sowie der Lautsprecher. An der linken Seite ist der Einschub für die SIM Karte untergebracht. Alternativ kann man eine zweite SIM oder eine Speicherkarte einstecken.

Etwas ungewöhnlich für ein Flaggschiff Smartphone des Jahres 2017 fehlt dem P10 Plus die Zertifizierung nach IP68. Es ist also nicht wasserdicht, hat aber immerhin einen Spritzwasserschutz nach IPX3. Dem kleineren P10 fehlt sogar dieser Schutz.

Performance und Akku

Der  Kirin 960 SoC ist einer der schnellsten Chips am Markt. Entsprechend gut ist die Performance. Übergänge, Scrollen und alle Arten von Bewegungen laufen butterweich. Keine der derzeit verfügbaren Apps ist offenbar in der Lage, die Leistung auch nur annähernd auszureizen und man sollte daher für einige Jahre auf der sicheren Seite liegen.

In den Benchmarks liegt das Huawei P10 Plus im Moment bei den Android Smartphones an der Spitze. Sobald aber das Galaxy S8 auf den Markt kommt, wird es sich dessen für Europa bestimmter Exynos Variante beugen müssen, es dürfte aber etwa gleichauf mit der für die USA bestimmten Snapdragon 835 Variante liegen. Ich hab mal Geekbench 4 und AnTuTu laufen lassen und hier sind die Ergebnisse:

Huawei P10 Plus Geekbench 4Huawei P10 Plus  AnTuTu Benchmark

Selbst solche Ressourcen fressenden Games wie Niantics Ingress und Pokemon GO starten extrem flott und laufen flüssig und butterweich. Allerdings erwärmt sich das Gerät dabei doch merklich. Die internen Sensoren zeigen Temperaturen von etwas über 50 Grad Celsius.

Dank 6 GB RAM lässt das P10 Plus ziemlich viele Apps auch im Hintergrund "am Leben". Schaltet man zwischen ihnen hin und her, wird nur sehr selten eine App neu geladen. Und das macht im praktischen Leben einen erheblichen Unterschied.

Die Akkulaufzeit kann sich wirklich sehen lassen. Bei durchschnittlicher Nutzung inklusive Fotografieren kommt man auf etwa eineinhalb Tage. Mit Niantics Hilfe - sprich Pokemon GO oder Ingress - lässt sich der Akku aber auch in vier Stunden komplett leeren (was aber erheblich mehr ist als mit den meisten anderen Phones erreichbar). In nur 15 Minuten lassen sich 25% zusätzlicher Ladung erzielen, so es nicht ganz leer ist und in 100 Minuten schafft man eine volle Ladung.

Die verwendete 4.5G LTE-Technologie ermöglicht Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 600 Mbps und NFC, WLAN ac sowie Bluetooth 4.2 sorgen für unbeschwerte Connectivity. HiGeo soll unterdessen für eine bessere Positionsbestimmung sorgen, sodass man bei der Navigation zum Beispiel nicht mehr vom Weg abdriftet.

Der Empfang sowohl bei LTE als im WLAN ist sehr gut. Die Gesprächsqualität ist sehr klar und laut, man wird ebenfalls sehr gut verstanden. Voice over LTE muss gezielt in den Einstellungen aktiviert werden.

Software und EMUI 5.1

Wie die meisten anderen Hersteller auch setzt Huawei auf Android 7.0 und verzichtet auf die Version 7.1. Dazu kommen Erweiterungen und Verbesserrungen der Benutzeroberfläche via Huaweis EMUI, nun in Version 5.1. Standard Android hat ja einige sehr krause Dinge an der Benutzeroberfläche, wie etwa die On-Screen Tasten oder die in das Akkusymbol nahezu unleserlich versteckte Prozentzahl der Akkuladung.

Für die Statuszeile hat sich Huawei noch etwas besonders Nützliches einfallen lassen. Links bekommt man immer den Mobilfunker angezeigt, was ich bei den in Europa doch recht häufigen Auslandsreisen sehr nützlich finde. Und besonders mag ich, dass auch die gerade aktuelle Geschwindigkeit der Datenübertragung angezeigt wird.

Huawei P10 Plus Staatuszeile

Die Anzeige der Geschwindigkeit erfolgt in Byte, am Screenshot zu sehen gerade mit 1,9 MegaByte/sec, was etwa 19 Megabit/sec entspricht. Ich mag es jedenfalls, über die wichtigsten Betriebsparameter meines Phones informiert zu sein. Bei Mobilfunk können oft schon kleine Ortsveränderungen die Datenübertragung erheblich negativ oder positiv beeinflussen. Da ist dies Information nützlich zur Optimierung des eigenen Standortes.

EMUI 5.1 bietet einmal die aus iOS bekannte Ansicht mit allen Apps auf den Bildschirmen, seit dem Mate 9 gibt es aber auch einen App Drawer, der optional hinzu geschaltet werden kann. Die Einstellmöglichkeiten des Launchers sind für viele Nutzer sicherlich ausreichend. Man kann das Raster anpassen (4×5, 5×5 und 5×4), dazu gibt es einstellbare Übergänge. Wer mehr möchte kann sich jederzeit einen anderen Launcher anlachen.

Auch einige andere Apps von Huawei finde ich besser als das was Google liefert. Die Galerie App ziehe ich allemal Google Fotos vor. Ich mache relativ viele Screenshots - diese in Google Fotos loszuwerden ist mehr als mühsam, in der Huawei App ganz einfach.

Nützlich sind auch die zusätzlichen Infos, die man sich in Bilder einblenden lassen kann, praktisch die wichtigsten EXIF Daten und sogar ein Farbdiagramm. Dazu sieht man noch, mit welcher Blendeneinstellung fotografiert wurde.

Bildinfo in Galerie App des P10 Plus

Dazu ist auch noch einige Intelligenz vorhanden. Fotos von einem Ort, die man hintereinander gemacht hat, finden sich in einem Album, das die App anlegt. Nicht nur das – das Huawei P10 zeigt auf Wunsch auch kleine Filmchen an, die aus den Fotos, bzw. den Highights generiert wurden. Rückgrat des Videomodus ist die Partnerschaft mit GoPro, die die entsprechende Quik-App bereitstellen, die zugleich auch Video-Editor ist.

Auch andere Apps von Huawei schätze ich mehr als die von Google, wie etwa Telefon oder Email. Aber das ist noch nicht alles. Es gibt einige weitere intelligente Funktionen. So wird vor jeder App gewarnt, die viel Strom im Hintergrund verbraucht.

Mit der Kamera befassen wir uns im zweiten Teil des Testberichts.

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