Ein Rückschritt: vom Galaxy Note 7 mit Android 6.0.1 zum Nexus 6P mit Android 7.1.1

Galaxy Note 7 über Nexus 6P Galaxy Note 7 über Nexus 6P
Der Vergleich macht dich sicher: Samsung hat auch bei der Software des Note 7 vorbildliche Arbeit geleistet. Die Bedienungserfahrung ist einfach besser als am Nexus 6P trotz dessen Letztstand Android Version.

(01.11.2016, 20:00) Nach etwa vier Wochen Nutzung des Galaxy Note 7 bleibe ich bei der Feststellung im Titel unseres Testberichtes: Das Galaxy Note 7 ist das beste Smartphone des Jahres 2017. Dennoch hat Samsung bekanntlich zweimal verkaufte und ausgelieferte Geräte zurückgerufen - so auch unsere Testgeräte. Also musste ein Nachfolger für die tägliche Arbeit gefunden werden.

Ich bin seit jeher ein Fan großer Displays, ab 5,5 Zoll und darunter wird es für mich schon klein. Als Ersatz für das Note 7 erkor ich also einen anderen 5,7-Zöller zu meinem täglichen Begleiter und Arbeitspferd, nämlich das Nexus 6P, bis vor kurzem Googles Referenzgerät für die aktuellste Version von Android. Derzeit habe ich darauf Android 7.1.1 laufen mit dem Security Patch vom 5. Oktober.

Android 7.1.1 am Nexus 6P

Die Nexus 6P Hardware ist eine Generation älter als die des Note 7, aber bei der Software ist es umgekehrt, am Galaxy Note 7 läuft Android aus dem Jahr 2015, am Nexus 6P dagegen die aktuellste aus 2016. Dass das Nexus 6P bei Hardware und Design schlecht abschneidet ist wenig verwunderlich, aber auch bei der Software punktet das Note 7 ganz klar.

Das liegt zum einen daran, dass  Google bei den wesentlichen Neuerungen in Android 7 nur nachgezogen hat was Samsung und zum Teil auch LG schon länger haben, nämlich Multi Window und die Verwendung der Grafik Engine Vulkan. Google punktet lediglich bei der Akkuverwendung in Ruhephasen. Das Nexus 6P hält die Akkuladung dank Android Nougat über Nacht so ziemlich konstant, während das Note 7 etwa 5 Prozent verliert.

Allerdings beträgt bei aktiver Verwendung die Akkulaufzeit des Nexus 6P weniger als die Hälfte des Note 7  - und das ist doch um einiges wichtiger als die Laufzeit, während man es nicht verwendet. Die Akkus sind so ziemlich gleich groß mit 3450 mAh beim Nexus 6P und 3500 mAh beim Note 7.

Android 7.0, 7.1 und 7.1.1 machen jeweils den Eindruck eines Halbfertigproduktes. Die Gliederung der Einstellungen ist unübersichtlich und verwirrend. Samsung hat diese am Note 7 völlig neu geordnet und nun ist alles beisammen, was zusammen gehört. Die Benachrichtigungen und der Task Manger (zuletzt genutzte Apps) wurden in Nougat gegenüber Marshmallow zwar mächtiger, gleichzeitig aber auch unübersichtlicher und damit auch schwerer zu bedienen. Zugegeben - ich habe am Note 7 auch Samsungs Beta-App Good Lock genutzt, die Benachrichtigungen und Task Manager nochmals um eine Stufe besser und schneller benutzbar macht. Was genau die Unterschiede sind und was Good Lock besser macht als Standard Android, findet ihr hier.

Das Note 7 hat als erstes Samsung Phone einen Blaulichtfilter in die Firmware integriert. Damit wird die für gesunden Schlaf hinderliche blaue Wellenlänge nach Sonnenuntergang ausgeblendet. Auch am Nexus 6P gab es das Feature und zwar bei den Android N Previews. Hat sehr gut funktioniert. Mit Android 7.1 wurde die Funktion endgültig gekillt, denn sie bleibt den Pixel Phones vorbehalten. Google schützt technische Gründe vor. 

Die Nexus Geräte waren allerdings immer für Entwickler gedacht und weniger für Endkunden. Ihr Marktanteil ist auch derart gering, dass sie nie in irgendeiner Statistik aufscheinen, nicht mal in der von Google. Google ist nicht dafür bekannt, besonders benutzerfreundliche Interfaces zu bauen, siehe etwa Google+. Standard Android wurde bisher immer von den Hardware Partnern mit einem eigenen Interface versehen, das es benutzerfreundlicher macht. Auch Google baut ein eigenes Interface für seine Pixel Phones, das noch zusätzlich zum Standard Android hinzukommt.

Geringe Benutzerfreundlichkeit findet sich auch bei den Bedienelementen. Die Lautstärketaste und der Ein-/Aus-Schalter liegen so nahe beieinander, dass sie nie verwechslungssicher bedienbar sind. In einer Autohalterung hat man die Wahl, entweder ständig die Anzeige "Nicht stören" oben eingeblendet zu kriegen, oder das Gerät so weit nach oben zu schieben, dass die Taste zwar nicht mehr gedrückt ist aber es nicht mehr sicher gehalten wird.

Der Fingerprint Sensor an der Rückseite ist auch an einer unglücklichen Stelle, im Auto wieder schlecht oder gar nicht erreichbar und verwendet man das Handy am Tisch oder sonstwo liegend, muss man es zur Entsperrung vorher in die Hand nehmen. Parallel dazu verzichtet Google seit jeher auf einen Hardware-Home-Button, wohl um sich von Apple zu unterscheiden. Die On-Screen-Buttons stören aber in vielen Apps, erfordern zusätzliche Bedienschritte um sie sichtbar zu machen, oder nehmen schlicht Platz am Display weg.

All das summiert sich zu einem nicht besonders guten Nutzungserlebnis mit dem Nexus 6P und Android 7.1.1. Zugegeben, wenn man vorher ein so fortgeschrittenes Gerät wie das Note 7 in der Hand hatte, fallen die Unzulänglichkeiten der Benutzeroberfläche von Standard Android und den Nexus Geräten besonders stark auf.

Übrigens - beide unsere Testgeräte, das vor dem ersten Rückruf und das Tauschgerät - blieben selbst unter starker Last kühler als jedes andere Smartphone der Premium Klasse. Um es etwas mehr zu erwärmen musste man es ordentlich belasten, gleichzeitig aufladen und noch in die Sonne legen. Umso unverständlicher erscheint mir noch immer, dass das Note 7 ohne äußere Einflüsse explodieren konnte. Samsung und unabhängige Labors suchen ja noch immer vergebens nach Ursachen und es gelingt nicht die Überhitzungen oder Explosionen nachzustellen.

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Reaktionen auf diesen Artikel


Boris, 02.11.2016
Geschmolzen??
Seitdem hat Samsung Verkauf und Produktion von Note 7 gestoppt, gibt es keine brennende Geräte mehr, oder? Ziel erreicht.

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