Apple iPhone 6 im Redaktionstest - tolles Design, endlich ein vernünftig großes Display

Mit dem auf 4,7 Zoll vergrößertem Display, dem Fingerprint Sensor und dem neuen Design hat Apple ein Smartphone geschaffen, das wieder mit den neueren Android Geräten Kopf an Kopf konkurrenzfähig ist.

 

(25.09.2014, 17:50) Seit einigen Tagen sind Apples neue Smartphones, nämlich das iPhone 6 und das iPhone 6 Plus, nun im Verkauf. Wir konnten jetzt einige Tage lang des "normale" iPhone 6 mit dem 4,7 Zoll Display testen.

Gleich vorweg - am meisten besticht das Design des iPhone 6 und funktionell überzeugt der Fingerprint Sensor.

Das Design oder besser das Material Aluminium verursacht aber auch gleich das größte Problem des iPhone 6: Rückseite und die Seiten sind so glatt, dass einem das teure Stück (ab 699 Euro) leicht zu entgleiten droht. Selbst wenn man es mit zwei Händen hält wie etwa beim Fotografieren, droht der Abrutscher und somit der Sturz.

Der Ausweg ist auch klar: Man kauft sich eine Hülle, die es gleich im Online Shop von Apple gibt. Entweder nimmt man die aus Leder um 45 Euro, oder die aus Silikon um 35 Euro:

Damit hat man das gleiche erreicht, wie mit einem Smartphone das eine grifffeste Rückseite aus Plastik hat, wie das etwa bei den neueren Galaxy Modellen von Samsung der Fall ist.

Apple bietet zwar eine Funktion für die Einhandbedienung - ein Doppeltipp auf den Home Button zieht den Bildschirm nach unten:

Aber die Funktion ist mit dem Daumen auch nicht immer sicher auszulösen und natürlich einer flüssigen Nutzung schwer im Weg.

Design

Apple hat es wieder geschafft alles auf das Minimum zu reduzieren. Die abgerundeten Seiten geben ein optisch völlig anderes Bild als bei den 4er und 5er iPhones und erinnern eher an die 3er und davor. Das Display aus Gorilla Glas ist an den Rändern ebenfalls abgerundet und fügt sich harmonisch in das Gehäuse aus Aluminium ein.

Bei der Anordnung der Tasten wurde aus Gründen der besseren Erreichbarkeit der Ein-/Ausschalter von oben an die rechte Seite verlegt. Die übrigen Tasten bleiben am gleichen Platz. Auch der Einschub für die SIM-Karte ist weiterhin rechts, und unten finden sich Lautsprecher, Einschub für das Lade-/USB-Kabel, sowie der Klinkenstecker.

Der Homebutton ist kaum noch sichtbar und sehr angenehm leicht zu bedienen.

Wie weit dieses wirklich schöne Design dann in einer Silikon- oder auch Lederhülle noch zur Geltung kommt, muss jeder für sich beurteilen. Das iPhone 6 selbst gibt es jedenfalls in den Farben Silber, Gold und Spacegrau. Vorne sind alle gleich Schwarz.

Die Maße sind mit 138,1x67x6,9 recht benutzerfreundlich und mit 129 Gramm ist das iPhone 6 auch recht leicht. Apple schwindelt etwas, wenn es darauf hinweist, dass das iPhone 6 dünner als das 5s ist. Denn wohl ist der Körper von 7,6 auf 6,9 mm reduziert worden, die Kameralinse steht allerdings 0,7 mm vor und an dieser Stelle sind altes und neues Modell exakt gleich dick. Das hat übrigens auch zur Folge, dass das iPhone 6 nicht glatt am Tisch liegt und bei der Bedienung wackelt. Aber wie wir schon gesehen haben - auch hier schafft die ohnehin nötige Hülle Abhilfe.

Display

Das 4,7 Zoll Multi-Touch Widescreendisplay mit LED-Hintergrundbeleuchtung und IPS-Technologie löst mit 1334 x 750 Pixel auf und kommt damit auf eine Pixeldichte von 326 ppi. Das entspricht natürlich nicht mehr dem Industriestandard von deutlich über 400 ppi, aber Apple beharrt darauf, dass diese "Retina" Auflösung genug ist. Und für den Normalverbraucher reicht das allemal.

Es ist aber nicht nur größer, sondern auch heller und vor allem deutlich kontrastreicher (1400:1 statt 800:1) geworden. Die Farben wirken trotz LCD-Technik fast so gut wie bei den AMOLED-Bildschirmen in Samsungs Galaxy S Serie. Auch die Lesbarkeit von der Seite und im Sonnenlicht ist besser geworden, reicht aber an AMOLED Displays nicht heran.

Hardware und Performance

Die beiden neuen iPhones werden angetrieben von einem 64-Bit A8 Prozessor mit zwei Kernen und getaktet mit 1,39 GHz. Dazu ist der sogenannte M8-Co-Prozessor verbaut; der ist ab für die Bewegungssensoren zuständig, etwa beim Einsatz von Fitness-Apps. Außerdem misst er den Luftdruck und macht so das iPhone zum mobilen Barometer.

An Arbeitsspeicher steht 1GB zur Verfügung und für den User entweder 16GB, 64Gb oder 128GB. Ein Einschub für eine microSD Karte ist nicht vorgesehen.

Im Geekbench 3, der die Prozessorleistung misst, kommt das iPhone 6 ziemlich genau auf die gleichen Werte wie das Galaxy S5 und das Galaxy Note 3, bleibt aber hinterdem Galxy Note 4 oder dem Ascend Mate 7 deutlich zurück..

Ähnlich verhält es sich beim SunSpider Benchmark, der die Performance im Browser und somit in der wichtigsten einzelnen App misst. Hier liegt das iPhone 6 knapp aber doch an der Spitze vor dem Galaxy Note 4 und dem Galaxy S5. Beim Note 4 hatten wir zur Messung allerdings eine noch nicht fertige Version bei der Vorstellung in Berlin getestet, da kann sich also noch etwas ändern.

In anderen Testprogrammen wie AnTuTu allerdings ist es langsamer (31.675 statt 37.220 Punkte) als das Samsung-Flaggschiff.

Connectivity

Bei der Datenübertragung ist das iPhone 6 nun auf Letztstand. WLAN ist endlich im schnellen ac-Standard verfügbar. Die von einigen Anwendern mit iOS 8 auf dem iPhone 5S berichteten Empfangsaussetzer haben wir im Test mit dem iPhone 6 ebenfalls beobachtet. Wlan Netze wurden gelegentlich nicht erkannt, erst ein Aus- und wieder  Einschalten des Handys brachte Abhilfe. Richtig ärgerlich ist allerdings, dass Apple die Möglichkeit das iPhone als Hotspot zu nutzen einfach weggelassen hat.

Bei der Datenübertragung mit Mobilfunk leistet das iPhone 6 etwa das gleiche wie die mit den modernsten Snapdragon Prozessoren ausgestatten Smartphones. Hier einige von unseren Messergebnissen, das oberste aus dem Wiener Umland, weiter unten direkt aus Wien.

Auch die Telefonie funktioniert bestens, Gesprächspartner sind gut verständlich und umgekehrt kommt man auch bei der Gegenseite bestens an. Gut, dass auch die bereits 2011 eingeführte HD Voice-Technologie funktioniert. Bei guter und normal ausgelasteter UMTS-Verbindung klingen Telefonate zwischen HD-Voice-fähigen Handys im selben Netz damit deutlich natürlicher.

Touch ID

Genial gelöst finde ich die TouchID. Der Sensor ist im Home Button untergebracht, wie das schon beim iPhone 5s der Fall war. Bei der Aufnahme des Fingerprints muss man auch die Ränder erfassen, sodass der Finger in verschiedenen Positionen erkannt werden kann.

Um das iPhone zu Entsperren klickt man kurz auf den Home Button, läst den Finger darauf liegen und schon ist das iPhone 6 verwendbar. Anders als beim iPhone 5s ist die Erkennungsrate praktisch 100%. Die TouchID ist auch für Einkaufe aus dem App Store und iTunes verwendbar.

Was nicht funktioniert hat, war das Erstellen eines "Schlüsselbundes". Trotz wiederholter Zusendung und korrekter Eingabe der  Keychain Verification Codes kam immer die Fehlermeldung, dass der Code falsch sei.

Akkulaufzeit

Das iPhone 6 hat nach den Erkenntnissen von iFixit einen Akku von 1810 mAh verbaut. Nach unseren Tests reicht das genau für 5 Stunden und 20 Minuten Betriebszeit, bis der Akku von 100% auf 2% heruntergefahren ist. Damit ist Dauerbetrieb gemeint und nicht abgeschaltetes Display und keine Aktivität.

In iOS 8 gibt es jetzt eine gute Anzeige für den Verbrauch einzelner Apps, sowie eine Anzeige der Nutzungsdauer. Dabei meint Benutzung die tatsächliche aktive Nutzung und mit Standby wird die gesamte verstrichene Zeit seit dem Abziehen des Ladegeräts angezeigt.

Hier zwei Beispiele dafür von der vollen Ladung bis zu 2% Akkuanzeige:

Software - iCloud und neue Funktionen

Zunächst zur Inbetriebnahme. Apple bietet mehrere Optionen darunter die Wiederherstellung aus der iCloud oder das Aufsetzen als neues iPhone. In der iCloud haben iPhone User 5GB kostenlosen Speicherplatz, in dem so ziemlich alle Informationen vom Smartphone abgespeichert werden.

Die neue Software iOS 8 ist jedenfalls noch mit Fehlern behaftet, das zeigen schon die Updates, die Apple auszuliefern begonnen hat. In unserem Fall schaltete sich das iPhone 6 während des Wiederherstellens aus der iCloud von selbst ab und war nach dem neuerlichen Einschalten in einem völlig instabilen Zustand.

Da half nur ein Zurücksetzen und Löschen aller Inhalte. Beim zweiten Mal glückte aber die Installation und Wiederherstellung der Daten problemlos. Sogar die zuletzt am iPhone 5 geöffneten Reiter fanden sich in Safari 1:1 wieder. Welchen Wert da die Verschlüsselung des iPhone selbst hat, lässt sich daraus gut erkennen. Auf die iCloud haben ja nicht nur Hacker offenbar leichten Zugriff wie die Affäre um die Promi-Nacktfotos beweist, sondern auch US-Geheimdienste und Behörden.

Aber es gibt auch interessante neue Funktionen rund am die iCloud. Zunächst - es muss nicht sein, dass alles in der iCloud landet. Der User hat Kontrolle darüber, was gesichert wird und was nicht.

Und dazu gibt's die Familienfreigabe. Freuen werden sich die Familien, die App Entwickler wohl weniger. Damit können bis zu sechs unterschiedliche Konten alle ihre Käufe gemeinsam nutzen. Will ich etwa mit der Family laufen gehen, so genügt uns nun ein einziger Kauf von Runtastic.

Zum Einrichten des Familienbereich wird man bereits beim Neueinrichten nach der Installation massiv gebeten, und auch später ist das Feature über die iCloud Einstellungen deutlich markiert und daher einfach erreichbar. Apple hat also offenbar ein Interesse, dass in Familien nicht mehr so wie bisher die Kinder den gleichen Account bekommen, sondern dass sie nun einen eigenen erhalten.

Samsung hat vor zwei Jahren mit dem Health Trend begonnen. Nutzbar wurde S Health aber erst mit der ersten Smartwatch Galaxy Gear, die die täglich getanen Schritte messen und in S Health aufzeichnen konnte. Eine weitere Verbesserung brachte die Gear Fit mit der man auch den Puls messen kann - was ich anfangs häufig, jetzt aber schon lange nicht mehr getan habe. Ich habe sowohl die Galaxy Gear verwendet und nutze nach vor die Gear Fit. Ich schaue gelegentlich in S Health, aber habe nach kurzer Zeit wieder aufgehört Aufzeichnungen über meine tägliche Aufnahme von Kalorien zu machen.

Die Health App von Apple geht erheblich weiter, als Samsung dies getan hat. Die Fülle der Daten, die sie aufnehmen kann, ist schier ungeheuer.

Hier stellt sich die Frage: Wer soll das messen, wer soll die Messwerte eingeben? Und manche Messung kann durchaus unangenehme Folgen zeitigen, wie die des Blutalkoholwertes, so sie von der Polizei durchgeführt wird. Diese App ist völlig überfrachtet. Eine Health App steht und fällt mit mit der Dateneingabe. Manuell wird das wohl kaum jemand dauerhaft tun und was hier aufgenommen werden kann, erfordert noch dazu ein bestausgestattetes medizinisches Labor.

Also wird die Health App wahrscheinlich auf den meisten iDevices binnen kürzester Zeit in einem Ordner versteckt werden. Denn leider gehört auch Health zur Kategorie der unlöschbaren Apps. 

Mit iOS 8 ist diese Kategorie leider wieder gewachsen, Health, Tipps, Podcasts, iBooks, FaceTime, Sprachmemos, Rechner, Safari, Kamera, Fotos, Karten, Passbook, Zeitungskiosk, Wetter, Kompass, Aktien, Erinnerungen, Game Center und Notizen sind nur ein Teil der mittlerweile 28 Apps, die nicht gelöscht werden können. Macht sicher Sinn bei Apps wie Kamera oder Einstellungen und noch einigen anderen. Aber Aktien, Zeitungskiosk, Health … Mit der zwangsweisen Versendung des U2 Albums an alle iTunes User hat Apple schon für gehörigen Ärger bei seinen Kunden gesorgt, mit iOS 8 geht's teils in diesem Stil weiter.

Kamera

Apple macht beim Rennen der Kamerahersteller um die höhere Auflösung nicht mit und bleibt bei 8 MPx für seine Rückkamera. Gegenüber dem iPhone 6 Plus und auch zum Teil gegenüber der Konkurrenz fehlt beim iPhone 6 die optische Bildstabilisierung.

Aber neue Sensoren und eine verbesserte App ermöglichen eine wirklich tolle Fotoqualität. Und dazu wurde mit iOS 8 die Schnittstelle zur Hardware geöffnet, sodass auch andere Apps eine völlige manuelle Einstellung und damit viel bessere Fotos schwieriger Motive ermöglichen.

Eine clevere Neuerung ist die Funktion HDR Auto. Damit entscheidet die Kamera App selbst, ob HDR nötig ist, ein Blitz verwendet wird oder ganz normal fotografiert werden kann.

Videos können in Full HD, mit 60 fps, oder in Zeitlupe bzw Zeitraffer aufgenommen werden.

Hier einige Bilder zum Vergleich zwischen dem iPhone 6 (jeweils links) und dem Galaxy S5 (jeweils rechts).

Zunächst im Gegenlicht:

Interessant ist, dass man am iPhone nicht besonders weit in das Bild hinein zoomen kann. Was hier links gezeigt ist, ist das erreichbare Maximum. Rechts dagegen am Galaxy S5 sind weit mehr Details gespeichert, was wohl der höheren Auflösung der Kamera geschuldet ist.

Kommt das Licht von hinten schneidet das iPhone besser ab, die Farben gibt aber das Galaxy S5 besser wieder. Die Textur der Wolken ist wieder beim iPhone besser.

Und noch als letztes Foto eine Aufnahme vom future.talk 2014 von A1 mit Generaldirektor Hannes Ametsreiter (links), Arianna Huffington und Stefan Niggermeier. Das Foto wurde bei maximalen digitalen Zoom und schwierigen künstlichen Lichtverhältnissen gemacht. Hier schneidet das iPhone 6 etwas besser ab.

Fazit

Für mich ist das iPhone 6 wegen seiner Größe das erste wirklich verwendbare Smartphone von Apple. Die TouchID ist ausgezeichnet gelöst, der Familienbereich gefällt mir ebenfalls sehr gut.

Das Design ist wirklich herausragend gelungen, die Freude daran wird allerdings durch die Notwendigkeit einer Hülle geschmälert. Es besticht wie schon bei seinen Vorgängern durch einfache Bedienung. Und seit iOS 8 lässt Apple seinen Usern endlich die Freiheit sich einer anderen und in dem Fall deutlich besseren Tastatur zu bedienen und auch die Kamera weit mehr nach eigenem Gutdünken verwenden zu können.

Mit den 5er Modellen des iPhone war Apple schon deutlich hinter der Android Konkurrenz zurückgeblieben. Mit dem iPhone 6 ist man nun durchaus wieder Kopf an Kopf.

Die Preise haben es allerdings in sich. Das iPhone 6 kostet in der eher mageren 16GB Version bereits stolze 699 Euro, mit 64 GB bereits 799 Euro und bei wohl kaum benötigten 128 GB 899 Euro.

Hier noch unser Hands on Video:

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