Nokia und Microsoft machen Windows Phone das Leben schwer

Mit dem Timing des Launch Events für das Lumia 900 in New York setzt sich die Serie der skurrilen Marketingentscheidungen für Windows Phone fort. Fast scheint es so, als wolle Microsoft den Erfolg seines Betriebssystems für Smartphones verhindern.

 

(8.4.2012, 17:00) Nokia und Microsoft wollen mit aller Gewalt Windows Phone in den USA und insgesamt im Smartphone Markt zum Durchbruch verhelfen. Eine Kampagne mit Gesamtkosten von 100 Millionen Euro ist wohl einmalig, besonders für die Markteinführung eines so kleinen Gerätes wie eines Smartphones.

Auch die Launch Events, die die beiden Unternehmen bisher für die bisherigen Lumia Topmodelle inszeniert haben, suchen wohl ihresgleichen. In Europa wurde am 28. November zum Launch des Lumia 800 der Millbank Tower am Ufer der Themse in ein lebendig gedrehtes, atmendes Wesen verwandelt. Nokia feierte in Großbritannien den Start des Nokia Lumia 800 mit einer der spektakulärsten Licht-Shows die London je gesehen hat. Der Erfolg? Eher bescheiden.

Vergangenen Freitag wurde in New York ein ähnlicher Mega Event zum Launch des Lumia 900 in den USA abgehalten. Der Erfolg? Man wird sehen.

Aber Microsoft und nun auch Nokia machen Windows Phone dem Lumia das Leben nicht wirklich leicht. Das beginnt schon mit dem Namen „Windows Phone“. Windows gibt es nun seit über 20 Jahren. Ich nutze es seit 1990, erstmals seit der Version 3. Und ich verbinde damit keineswegs nur positive Erfahrungen.

Der Name „Windows Mobile“ war ja noch ok. Aber Windows Phone? Ist das alles was Microsoft mit seinem astronomischen Marketingbudget, der riesigen Marketingabteilung und all den unterstützenden Agenturen zu Stande bringt? Hat man keinen zeitgemäßeren Namen gefunden? Dabei ist der Name eines der wichtigsten Elemente für den Erfolg eines Produktes.

Der Hype bei neuen Smartphones dreht sich um die Zahl der Kerne in den Prozessoren, die Größe des Akkus, die Zoll der Displaydiagonale und die Zahl der Pixel am Display. Es gilt, je mehr desto besser.

Was tut Microsoft? Es schreibt seinen OEMs bis ins kleinste Detail vor, wie die Smartphones technisch auszusehen haben: Nicht mehr als ein Kern im Prozessor nicht mehr als 480x800 Pixel am Display, aber natürlich auch nicht weniger. Klar, das klingt altmodisch und überholt neben Vierkernern mit 720x1280 Pixel am Display. Kann Microsoft technisch nicht mehr? Schwer vorstellbar.

Die Marketingkampagnen unter dem Titel „Smoked by Windows Phone“ schaffen es jedenfalls nicht, dieses Image zu korrigieren. Noch dazu, wenn sie in die Hose gehen.

Und jetzt der Event am Karfreitag in New York. Ich frage mich, ob die Verantwortlichen bei Nokia und Microsoft einmal vorher den Kalender zu Rate gezogen haben. Freitag ist ja schon ein guter Tag - auch Apple startet mit dem Verkauf von neuen iPhones oder iPads traditionellerweise am Freitag. Aber nicht partout vor einem Wochenende, an dem wegen der Feiertage die meisten Stores geschlossen haben. Selbst in New York haben viele Geschäfte heute und auch am Ostermontag geschlossen.

Melissa Havel, Sprecherin von Microsoft hat bestätigt, dass dieses Wochenende viele Stores von AT&T geschlossen halten. Auch die von Microsoft sind mehrheitlich geschlossen. Wie bitte? Und trotzdem sucht man sich für den größten Launch Event aller Zeiten gerade das Wochenende, wo die meisten Stores die Rollbalken herunterlassen? Wo doch aus den Erfahrungen von Apple & Co klar sein müsste, dass das erste Wochenende entscheidend für den langfristigen Erfolg ist.

Das grenzt schon an Selbstverstümmelung, was Microsoft, Nokia und AT&T da treiben. Der größte Feind von Windows Phone ist Microsoft.

 

Telekom Presse Dr. Peter F. Mayer KG
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