Wie Facebook wirklich funktioniert
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Wie Facebook wirklich funktioniert

 
 

Was und wie Facebook die Nachrichten für jeden einzelnen User zusammenstellt, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Ein ausführlicher Test hat einige Hintergründe enthüllt.

(20.10.2010, 18:10) Je nach Zugang zu Facebook sieht man andere Meldungen von jeweils anderen Freunden. Da ist mal der grundsätzliche Unterschied zwischen „Hauptmeldungen“ und „Neuesten Meldungen“. Beim mobilen Zugang hat man weitere Unterschiede auf jeden Fall zum Browser im PC. Und die mobile Website zeigt andere Freunde mit anderen Reihungen als die App.

 

Siölicon Alley Insider hat nun in einem groß angelegten Test einige Regeln herausgefiltert, die ziemlich interessant sind. Es wurde ein Konto für einen 60jährigen angelegt, der sich mit ebenfalls am Test beteiligten Usern befreundet hat. Es wurden dabei Tausende von Newsfeeds beobachtet.

 

Hier die Ergebnisse:

1. Facebook geht nicht sehr freundlich mit Neulingen um. Der Neuling postete zwar regelmäßig mehrmals täglich, seine Posts schienen aber bei keinem seiner Freunde im Newsfeed auf. Seine Isolierung wurde erst durch die Interaktion von seinen Freunden mit ihm beendet.

 

2. Facebooks Henne und Ei. Erst durch die Interaktion von Freunden mit einem Neuling zeigt Facebook seine Post in einem Newsfeed. Aber wenn die Posts nirgends aufscheinen, ist es natürlich nicht ganz einfach Interaktion zu bekommen.

 

3. Die erste Klasse – Hauptmeldungen. Als des Neulings Freunde begannen mit ihm zu interagieren, indem sie zuerst auf seine Pinnwand gingen, erschien er plötzlich in den Newsfeeds. Aber da gibt es eben noch immer zwei Klassen. Die Hauptmeldungen werden nach einem schwer durchschaubaren Prinzip zusammengestellt, sind aber ziemlich wichtig, denn sie sieht man zuerst, wenn man einloggt. Und oft hat man mehrere Stunden alte Posts ganz oben, während weit jüngere komplett ignoriert werden.

 

Prinzipiell ist Facebook daran interessiert, möglichst viele Klicks zu generieren um auch möglichst viel an Werbung zeigen zu können. Deshalb beurteilt der Algorithmus im Hintergrund, welche User und welche Posts am ehesten zu Klicks führen könnten und präsentiert diese zuerst.

 

Nach zwei Wochen Test wurde auch klar, dass nicht die Anzahl der Postings, sondern die Art wesentlich wichtiger ist.

 

4. Auch die Neuesten Meldungen sind nicht komplett und werden zensuriert. Die Neuesten Meldungen werden in umgekehrter chronologischer Reihenfolge angezeigt und deshalb vermitteln sie den Eindruck, als wären sie komplett. Dem ist aber nicht so, wie der Test gezeigt hat und das ist auch meine persönliche Erfahrung. Die Anzahl der Freunde, die gezeigt werden, kann zwar über die Einstellungen verändert werden, hilft aber bei weiten nicht immer um verborgene Freunde oder Postings zum Vorschein zu bringen

 

5. Stalken bringt nichts, gestalkt werden aber schon. Bei anderen herumzuklicken ändert nichts an der eigenen Sichtbarkeit. Umgekehrt jedoch schon. Je mehr man gestalkt wird, desto sichtbarer werden die eigenen Postings bei allen Freunden.

 

6. Links erhöhen die Sichtbarkeit mehr als Statusmeldungen. Noch mehr helfen Fotos und Videos. Das Rationale dahinter ist einfach – Facebook nimmt an, dass User auf die kleinen Fotos klicken um sie zu vergrößern und daher Klicks bringen ..... siehe oben.

 

7. Kommentare zu den eigenen Statusmeldungen und Postings sind die stärkste Methode um die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen. In dem Versuch wurden gezielt Statusmeldungen des Neulings kommentiert und plötzlich erhöhte sich seine Sichtbarkeit bei allen Freunden drastisch.

 

8. In Facebook geht es zu wie in der Schule. Der Neuling wurde zuerst von Freunden gesehen, die selbst nur etwa 100 bis 200 Freunde hatten. Bei den Freunden, die über 600 hatten, erschien er in deren Feeds praktisch überhaupt nie.

 

Der Schlüssel um die eigene Sichtbarkeit in Facebook zu erhöhen, ist also zuerst Freunde zu suchen, die selbst wenig Freunde haben. Bei privaten Accounts ist das ja alles kein besonderes Problem, aber für Unternehmen, die eine Facebook-Präsenz aufbauen wollen, kann es schon ziemlich trickreich werden.

 

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