Google Tablet Nexus 7 mit Android 4.1.1 Jelly Bean im Redaktionstest [Video]

Das Nexus 7, das Google von Asus bauen lässt, ist bisher eindeutig das erfreulichste Beispiel eines Tablets mit Android, ja sogar eines Tablets überhaupt. Das liegt vor allem an der neuen Android Version 4.1.1, aber auch an dem Quad Core Tegra 3 Prozessor. Die wichtigste Neuerung ist wohl Google Now, das schon jetzt - ohne für Europa eingerichtet zu sein - seine Muskeln zeigt.

 

(28.7.2012, 09:55) Ich bin seit jeher ein Fan von 7 Zoll Tablets, denn sie sind handlich und leicht. Trotzdem bieten sie einen Screen, der gut lesbar ist, absolut ausreichend Inhalte aufnehmen und 720p Videos abspielen kann. Und gleich vorweg: Das Nexus 7 ist sicher das beste Tablet dieser Klasse, das ich bisher in der Hand hatte. Genau gesagt: Das beste Tablet, das ich bisher überhaupt in der Hand hatte. Das liegt allerdings nicht so sehr an der Hardware, sondern vor allem an Android 4.1 Jelly Bean. Aber dazu später.

Zuerst also zur Hardware. Das 7 Zoll Display mit 1.280 x 800 Px Auflösung bietet eine sehr gute Pixeldichte von 216 ppi. Wer hier noch einzelne Pixel auf seiner eigenen Retina abbilden kann, soll sich bitte bei mir melden. Das IPS (In Plane Switching) Display liefert durchaus ansprechende Bild- und Farbwiedergabe, wenn auch nicht so perfekt wie etwa ein Super AMOLED Plus Display. Kippt man es, nimmt die Helligkeit etwas ab, bleibt aber noch immer perfekt lesbar. Schwarz ist wirklich schwarz und damit geizt pures Google Android gar nicht.

Der Tegra 3 liefert mit seinen 4 Kernen eine exzellente Performance, die auch doppelt oder dreimal so teuren Tablets in nichts nachsteht, ja sie sogar in den Schatten stellt, was aber wieder an Jelly Bean liegen mag. Allerdings saugt es den mit 4.325mAh dicken Akku auch relativ rasch leer. Bei meinen Nutzungsgewohnheiten ist spätestens um 3 Uhr am Nachmittag Sense. Schafft allerdings meine 11jährige Tochter mit einem fetten und doppelt so schweren 3er iPad genauso.

Design

Ich weiß ja nicht, ob Apple das Nexus 7 schon von vorne gesehen hat. Wenn ja, ist die Klage schon unterwegs, denn die Skizze, die Apples Geschmacksmuster beschreibt, wird ganz gut getroffen. Außer, dass es noch mal minimalistischer geworden ist. Sozusagen Tablet pur. Also: Rechteckig, abgerundete Ecken, in der Mitte ein Glas (Corning Glass, das bei mir schon die ersten Kratzer hat) unter dem Symbole zu sehen sind. Oben eine Linse für eine 1,2Mpx Kamera und unten - nichts. Weniger geht nicht.

Die Seitenansicht ist mit 10,45 mm dick - im Vergleich etwa zum in Europa von Düsseldorfer Gerichten verbotenen Samsung Galaxy Tab 7.7 mit 10,45 mm richtig dick, was es aber schön griffig macht. Und hinten? Plastik - gerippt, genoppt und rutschfest. Billig, denkst du dir im ersten Moment, sobald du es aber erstmals an die Kaffetasse zum Lesen angelehnt hast und es bleibt wo es ist, denkst du dir „Super Idee“.

Connectivty

Google hat das Nexus 7 als WiFi only Tablet designen lassen. Auf dem 2,4Ghz Band funkt das auch perfekt. Aber - die Absenz eines UMTS Moduls finde ich nicht nachvollziehbar. Das 7 ist ein ultraportables Teil, ideal zum Nutzen in der Bahn, als Navi oder was immer unterwegs. Bewegst du dich aber, sind die WiFis dünn gesät - also muss ich das S3 auf tethern schalten. Was aber zum Glück wieder mit einem einzigen Tapp geht - offenbar erkennen die Geräte, dass ich mit der gleichen Google ID angemeldet bin und verbinden sich ohne mich groß zu belästigen. Dann fährt mein privater Wlan-Hotspot immer mit mir mit.

UMTS hätte Google wirklich zumindest als Option anbieten können. Aber vielleicht kommt das ja noch in der europäischen Version. Da merkt man wirklich, dass Google an jedem einzelnen Silikon-Teilchen gespart hat um den Preis bei 199 Dollar halten zu können.

Kamera und Slots

Kameras? Hinten keine, vorne 1,2MPx. Für mich ok, denn bei einem Tablet wäre ich nicht mal bereit 10 Euro zusätzlich für eine Kamera an der Rückseite auszugeben. Die Kamera vorne reicht für Skype Videocalls oder für einen Google Hangout völlig aus. Mit der Kamera meines Galaxy S3 könnte sowieso nichts so leicht mithalten.

Den Sparwillen Googles erkennt man auch an der sonstigen Ausstattung. Das Tablet kommt nur mehr mit einem Ladegerät. Ohrhörer? Kaufen! Vielleicht aber keine so schlechte Entscheidung angesichts der Schepperhörer, die manchmal mit verpackt werden.

Ja, und die Slots: Gibt es nicht. Keine MicroSD. Wird mache ärgern, mir persönlich aber egal, denn mit 74GB in der Dropbox, 5GB in Google Drive und nochmal so viel in SugarSync habe ich in der Cloud glatt doppelt so viel Speicher wie bei meinem vorigen Notebook.

Die Tasten

Bisher war ich immer ein Freak von richtigen Hardware Tasten - naja, bis auf das Nokia N9. Das Nexus 7 hat, jetzt mal von der Wippe für die Lautstärke und den Ein-/Ausschalter abgesehen, nur kapazitive Tasten. Ich gestehe, konvertiert zu sein. Eine Hardware Taste ist überflüssig, ja ist sogar in der Bedienung umständlich und weniger angenehm. Allerdings - Voraussetzung ist ein ausrechend breiter Rand wie beim Nexus 7, damit man das Ding auch ordentlich halten kann.

Auch die Anordnung der Tasten - links die Zurück Taste, in der Mitte die Home Taste, rechts die Taste für den Task-Switcher und noch weiter rechts, oder je nach App auch rechts oben, die Taste für das Kontextmenü - überzeugen mich. Der Doppel-Tipp beim iPad oder das Gedrückt-Halten bei den Galaxy Smartphones der Hardware Home Taste ist bei weitem nicht so angenehm und elegant wie die eigene Taste bei Google pur.

Jelly Bean - das Super-OS

Neben Jelly Bean nehmen sich alle anderen verfügbaren Betriebssysteme wie Krücken aus: Android 3 Honeycomb - schrecklich; Android 4 Ice Cream Sandwich - ein guter Anfang; iOS 5.x - veraltet und umständlich; Windows Phone 7 und 8 - bemüht aber uncool.

Jetzt muss ich aber eine Zwischenbemerkung machen: Ich bin berufsbedingt ein Informationsjunkie und lebe in Twitter, Web, YouTube, Google Drive, E-Mail, Kalender, Google+ und Facebook. Dazu kommt Musik am Abend, hin und wieder ein via Internet oder TV-App empfangenes Football Match auf einen großen Monitor streamen und natürlich lande ich ab und an in Temple Run. Aber dann gibt es Basics: so da sind Zeit, Wetter, was ist wo und wie ist der Verkehr. Und diese Tätigkeiten bestimmen natürlich was mir gefällt. Das kann für dich anders aussehen und meine Bewertung ist daher ziemlich subjektiv.

Also habe ich am Homescreen immer meine Wetterwidgets von den Orten, die für mich jetzt oder demnächst wichtig sind. Am Nexus 7 habe ich jetzt auch noch vier der in Jelly Bean neuen Verkehrswidgets, die mir per grüner/oranger/roter Ampel anzeigen, wie stark der Verkehr auf meinen häufigst benutzen Routen ist und wie lange ich daher jeweils brauchen würde. Da saugt Google für mich wichtige Infos zusammen und präsentiert sie mir dort wo ich will. Cool.

Google Now

Und wenn ich Google Now machen lasse - das heißt, meine Daten zur Verfügung stelle -dann sagt es mir auch, wann ich aufbrechen sollte, wenn ein Termin in meinem Kalender naht. Dafür bezahle ich mit Info über mich, damit mir Google in Hinkunft noch gezieltere Werbung zukommen lassen kann. Auch am Tablet. Ob du das willst, musst du für dich entscheiden.

Ich habe Siri am iPhone 4S ausprobiert und S-Voice am Galaxy S3. Beide verstehen mich auch oft. Mit Tippen bin ich im Schnitt jedenfalls schneller. Die neue Spracherkennung von Google Now versteht mich wirklich. Unten im Video habe ich ein Beispiel: „Navigiere zu Telekom Presse.“ Google Now versteht das nicht nur, ich bekomme auch in Sekundenschnelle die Route in Maps angezeigt und die erste Routenanweisung angesagt. Überzeugt euch im Video unten selbst davon.

Was für alle anderen Staaten außer USA, Kanada, Australien und UK (dafür ist das Nexus 7 im Moment freigegeben und via Play Store beziehbar) noch fehlt, ist der Knowledge Graph. Daher bekomme ich auf die Frage „Wie hoch ist die Zugspitze“ kein Bild des höchsten Bergs Deutschlands angezeigt, sondern nur ein Suchergebnis wie in einer normalen Google Suche. Aber selbst mit der dadurch noch eingeschränkten Funktionalität ist Google Now wohl das nützlichste und beeindruckendste Stück Software, das ich bisher gesehen habe.

Direkt in Google Now kommt man übrigens durch einen Wisch über die Home Taste nach oben. Jederzeit und egal welche App grad offen ist. Praktisch.

Übrigens: Google Now sucht nicht nur im Web und in Datenbanken, sondern auch am Tablet. Über ein Menü kann ich einstellen welche Apps am Tablet durchsucht werden können. Die Spracherkennung funktioniert auch offline. Die für Deutsch herunterzuladende Datei ist 18 MB groß.

Weich wie Butter und flexibel

Google hat das „project butter“ aufgesetzt um das Nutzererlebnis zu verbessern. Honeycomb hat deutlich sichtbar geruckt und der Bildschirmaufbau war alles andere als flüssig. In Ice Cream Sandwich ist alles schön flüssig, von Ruckelei nichts mehr zu bemerken. Aber irgendwie baut das iPad 3 und vor allem Windows Phone noch immer eleganter die Screens auf und die Wechsel flutschen schöner. Jelly Bean ist jetzt mindestens on par, wenn nicht sogar besser. Das scheint an der hohen Framerate von 60fps (Videos haben 30 fps - frames per second) zu liegen, die eben auch schnelle Übergänge für das Auge noch nahtlos sichtbar machen.

Jetzt zum Thema Flexibilität. In Jelly Bean, wie teils auch schon in früheren Android Versionen, gibt es Apps und Widgets. Tapp auf ein App Symbol startet diese. Perfekt für Temple Run oder Angry Birds. Ein Widget zeigt Live Inhalte an. Und meine Benutzeroberfläche baue ich mir vollständig flexibel aus Apps und Widgets zusammen. Will ich den Inhalt sehen - Widget. Will ich das Ding nur starten - App Symbol.

Microsoft geht immer damit hausieren, wie schon die Kacheln die Inhalte anzeigen - bei der Facebook Kachel siehst du immer was die „loved ones“ machen - da habe ich 710 davon. Will ich das wirklich immer sehen? Ich jedenfalls nicht. Abgesehen davon, dass ich weder die behinderten Apps von Facebook noch von Google+ nutze, sondern immer in einem auf Desktop-Anzeige eingestellten Browser sozial meditiere. Ich bestimme, welche Infos ich kriege.

Bei iOS geht es im Moment noch in die andere Richtung: Apps ohne Anzeige des Inhalts. Die dann aber natürlich oft perfekt gestaltet sind, perfekter als so manche App in Android.

Fazit

Kurz zusammengefasst: Jelly Bean macht richtig Spaß und du kannst es dir auf genau deine Bedürfnisse maßschneidern. Jetzt sollten mal alle Hersteller von Smartphones und Tablets schleunigst den Upgrade auf Jelly Bean ausrollen um ihren zahlenden Kunden schnellstens dieses Erlebnis zu gönnen.

Kaufen oder nicht kaufen? Zu dem Preis ist das Nexus 7 ein absoluter „No-brainer“. Soll es bei uns 250 Euro kosten - das ist eine Menge Spaß für wenig Geld samt einem 25 Dollar Bonus (in den US) zum Shoppen im Play Store. In Europa wird das Nexus 7 voraussichtlich im September verfügbar werden.

Andere Tablets? Ja klar, so der Hersteller den Upgrade noch für heuer auf Jelly Bean glaubwürdig garantiert.

Und hier das Video - vergiss nicht es auf 1080p HD Wiedergabe zu schalten und es schön groß zu machen:

Und hier der Vergleich mit dem iPad 3 samt Video.

Spezifikationen des Nexus 7:

  • 7 Zoll 1280x800 HD Display (216 ppi)
  • Back-lit IPS Display
  • Scratch-resistant Corning glass
  • 1.2MP Frontkamera
  • 198,5 x 120 x 10,45mm
  • 340g
  • WiFi 802.11 b/g/n
  • Bluetooth
  • 8/16 GB Speicher
  • 1 GB RAM
  • Micro USB
  • 4325 mAh (Up to 8 hours of active use)
  • Android 4.1.1 (Jelly Bean)
  • Quad-core Tegra 3 Prozessor
  • Mikrophone
  • NFC (Android Beam)
  • Accelerometer
  • GPS
  • Magnetometer
  • Gyroscope

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