Galaxy Tab 10.1 von Samsung im Test

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Der heftig umstrittene Konkurrent für das iPad ist nun endlich in Europa gelandet. Im Redaktionstest überzeugt das Tablet bei Performance, Bedienung, Gewicht und Formfaktor. Der 10,1-Zoll-Bildschirm (1280 x 800 Pixel), ein sehr schlankes Gehäuse, der Nvidia Tegra 2 Dual-Core Chip und Android 3.1 sind die Eckpunkte.

 

(17.8.2011, 10:15) Der Kampf um das Tablet zwischen Samsung und Apple hat gestern eine neue Volte geschlagen – am 9. August hat das Landgericht Düsseldorf den Verkauf in der EU minus Niederlande verboten. Gestern hat es das Verbot in Erkenntnis der eigenen Unzuständigkeit auf Deutschland eingeschränkt. Und wer das iPad schon in der Hand gehabt hat, dem werden beim ersten Angreifen des Galaxy Tab 10.1 einige deutliche Unterschiede auffallen. Da bedurfte es schon einiger Arbeit mit Photoshop von Apple oder dessen Anwälten um eine Un-Unterscheidbarkeit des Tab 10.1 mit dem iPad zu erzeugen.

Maße, Gewicht und das Äußere

Schon bei der ersten Berührung fühlt sich das Gerät vertraut an. Es ist mit seinen Maßen von 256,7 x 175,3 mm um rund 8% schmaler als das iPad. Das Seitenverhältnis beträgt 16:10 (iPad 4:3) und nähert sich damit eher den modernen TV-Geräten oder neueren Notebooks an. Es bietet sich damit auch eher die Nutzung im Querformat an, besonders wenn man die Hülle von Samsung verwendet, mit der man es bequem aufstellen kann. Mit 8,6 mm Dicke ist es um einen Hauch schlanker als das iPad 2.

Auch beim Gewicht brilliert es. Mit 565 Gramm ist es deutlich leichter als die Konkurrenz von Motorola oder Apple. Damit wird auch längeres Halten mit einer Hand durchaus erträglich.

Das Tablet gibt es entweder in Pure White oder Soft Black. Im Vergleich zum kleineren HTC Flyer oder zum ersten Galaxy Tab mit 7-Zoll-Bildschirm lässt sich das 10.1 nicht in die Hosen- oder Jackentasche verstauen. Die Gehäusestabilität lässt keine Wünsche offen. Es lässt sich nur minimal verwinden und ein Knacken oder Knarzen ist nicht wahrzunehmen.

Mit Anschlüssen und Tasten ist es extrem minimalistisch. Es gibt nur mehr den Ein-/Ausschalter und einen Lautstärkeregler. Alles andere wird von Softkeys innerhalb der Applikationen gesteuert. Wer die Menütaste gewohnt ist, muss sie nun am Bildschirm suchen. Es gibt einen Steckplatz für die SIM-Karte, so man das 3G Modell hat, einen Kopfhörer Anschluss und einen Stecker an den ein USB-Kabel als einzige Verbindung mit der Außenwelt angesteckt werden Kann. Am anderen Ende kommt entweder das Ladegerät oder ein PC – oder eine SD-Karte. Auch einen HDTV Adapter für den Anschluss ans TV-Gerät gibt es.

Display, Kamera, Connectivity

Ein Glanzstück ist wie immer bei Samsung das Display. Der 10,1 Zoll in der Diagonale messende kapazitive Touchscreen hat eine Auflösung von 1.280 x 800 Pixel mit bis zu 16 Millionen Farben und 4-Wege Rotation. Die Farben sind brillant und der Betrachtungswinkel ist praktisch unbeschränkt. Man wird niemand finden, der über das Display einen negativen Kommentar zu machen in der Lage wäre.

Tablets sind nicht unbedingt das geeignete Gerät zum Fotografieren. Doch ist es mit einer 3 Mp Autofokus Kamera mit eine LED Flash ausgerüstet. Nach vorne schaut eine 2 MP Kamera, die für Videochats gedacht ist. Google muss da allerdings noch etwas tun, denn wenn in ich in Google+ einen Hangout (Videochat mit bis zu 10 Teilnehmern) machen möchte, werde ich gefragt für welche Linux Distribution ich mein Download Paket herunterladen möchte. Einige der Spiele aus Google+ lassen sich allerdings am Tablet schön spielen.

Der Autofokus der Kamera reagierte im Test angenehm schnell. Die Galaxy Tab-Kamera besitzt ein Fotolicht (LED-Blitz), Touch-Fokus und Einstellungen für Blende, Weißabgleich, Smile-Shot und Panorama-Aufnahmen und ist somit besser gerüstet als beispielsweise das iPad.

Telefonieren kann man mit Samsungs Galaxy Tablet nicht, anders als mit dem 7-Zoll-Vorgänger. Ansonsten steht mit HSPA+ (theoretisch 21 MBit/s im Download, 5,76 MBit/s im Upload), 802.11 a/b/g/n-WLAN (im Test mit einer sehr ordentlichen Datenrate von 26 MBit/s) und Bluetooth 3.0 einem schnellen Surfvergnügen nichts im Weg.

Betriebssystem Android 3.1 Honeycomb

Android 3.1 ist die aktuellste Version für Tablets. Es basiert vor allem auf den Widgets, den (halb)geöffneten Anwendungen, die man selbst konfigurieren und auf den Startschirmen platzieren kann. Die Menüs präsentieren sich mit einem freundlichen einstellbaren Hintergrund, einige Widgets lassen sich in der Größe anpassen – zum Beispiel für Kalender, Lesezeichen, Mail, und Galerie. Unter den Widgets lässt sich der Zugriff auf die Apps positionieren, die in der Menüansicht in alphabetischer Ordnung angezeigt werden.

Am unteren Bildschirm-Rand lässt sich jederzeit eine Leiste mit Apps öffnen: So hat man zum Beispiel sofort Zugriff auf Kalender, MP3-Player oder Task-Manager. Diese Auswahl der Mini-Apps kann man nicht verändern. In der Android-Status-Leiste kann man beim Galaxy Tab 10.1 außerdem mit einem Klick WLAN, Bluetooth, GPS oder andere Funktionen einschalten. Die bei den Samsung Smartphones so beliebte Oberfläche TouchWiz findet sich nur zu einem kleinen Teil auf dem Galaxy Tab wieder.

Musik, Filme und Bücher

Samsung liefert auch auf dem Galaxy Tab 10.1 zusätzliche Apps aus, zum Beispiel einen Foto-Editor, eine Memo-App, in der man Notizen per Finger oder Spezial-Stift festhalten können, und Polaris Office zum Anschauen und Bearbeiten von Office-Dateien. Samsung hat außerdem seinen eigenen App-Store zusätzlich zum Google Market aufgespielt. Bei Apps und Inhalten folgt Samsung den Spuren von Apple – und bietet damit das größte Angebot auf Android-Seite: Über die App Music Hub kann man Musik kaufen – einzelne Songs kosten zwischen 99 Cent und 1,49 Euro, Alben sind ab 5 Euro wohlfeil.

Im Social Hub kann man alle neuen Mails oder Statusmeldungen in Facebook, Twitter und LinkedIn ansehen. Ich komme allerdings immer mehr von der Nutzung der Apps ab und verwende für den Zugriff auf Social Networks auch am Smartphone nur mehr den Browser. Vor allem nachdem ich gesehen habe, dass die Facebook App alle Daten aus meinen Kontakten klaut.

Abgesehen davon sind die Webversionen (Desktop) in allen Fällen um einiges besser und vollständiger als die Apps. Auf einem Tablet macht es wirklich kaum noch Sinn die Apps oder die mobile Webversion zu verwenden.

Das App-Angebot auf dem Samsung Galaxy Tab 10.1

Ab Oktober will Samsung weitere interessante Apps für das Samsung Galaxy Tab 10.1 ausliefern: Im Readers Hub sollen Zeitschriften und Zeitungen erhältlich sein, die für das Tablet-Display angepasst sind, per Games Hub soll man Tablet-optimierte Spiele erstehen können. Derzeit ist eine App namens Pulse am Gerät, über die man Zugriff auf eine ganze Reihe von Medien aus dem deutschsprachigen Raum und mehr erhält. 

Schließlich plant Samsung ein Online-Film-Portal: Dort will man Filme unter anderem von den Studios Sony, Warner und 20th Century Fox zum Leihen oder Kaufen anbieten. Filme soll man ab 2,99 Euro für 48 Stunden ausleihen können, für 8 bis 9 Euro will Samsung außerdem eine Monats-Flatrate für den Film-Service anbieten. Der Clou: Man soll einen Film auf verschiedenen Samsung-Geräten anschauen können.

Performance, Speed und Akku

Das Galaxy Tab 10.1 ist mit einem 1 GHz Doppelkern Nvidia Tagra 2 Prozessor ausgestattet. Der Akku hat eine Kapazität von 700 mAh und soll bis zu 7 Stuznden Video oder 72 Stunden Musik garantieren.

Es reagiert im Test auf alle Eingaben sehr schnell. Beim Blättern durch Menüs oder Startbildschirme bemerkt man allenfalls nur minimales Ruckeln. Auch der Browser arbeitet sehr schnell – sowohl bei den Java-Script-Tests Sunspider und Browsermark wie beim Laden von Webseiten liegt das Samsung Galaxy Tab 10.1 im Spitzenfeld. Das Tablet spielt übrigens auch Flash-Videos problemlos ab.

Insgesamt läuft die Bedienung aber nicht ganz so flüssig wie beim iPad 2. Der Lagesensor arbeitet beispielsweise ruckelnder und reagiert leicht verzögert auf eine Drehbewegung. Ähnlich auch das Bild beim Verschieben von Webseiten: Vor allem bei vielen Bildern auf einer Seite zittert und ruckelt es merklich. Während das iPad 2 beim Scrollen exakt der Bewegung des Fingers folgt, muss man beim Galaxy Tab 10.1 erst den Finger etwas ziehen, bevor sich die Webseite bewegt. Tab- und Pinch-Zoom führt das Galaxy Tab dagegen so schnell wie das iPad 2 aus, nur beim Anpassen des Textes an die Seitenbreite ruckelt es stärker als beim Apple-Tablet. Dabei ist es unerheblich welchen Browser man verwendet: der mitgelieferte, Dolphin HD und Firefox benehmen sich sehr ähnlich.

Auf der Tastatur lässt sich für Tablet-Verhältnisse angenehm schnell schreiben, ich erreiche damit mit meinem bewährten Vier-Finger-System eine ähnliche Geschwindigkeit wie auf der Notebook Tastatur. Für Ziffern und Sonderzeichen muss man aber umschalten. Statt Tippen kann man Wörter auch Wischen mit der Eingabe-Technik Swype, die es auch auf den anderen Samsung Geräten gibt.

Bei der Akkulaufzeit bleibt das Samsung Gerät etwas hinter der Konkurrenz zurück. Vor allem Wlan soll nach anderen Testberichten Strom fressen.

Ein Glanzstück liefert das Samsung Galaxy Tab 10.1 bei den Formaten, es spielt die meisten AVI-, MKV- und WMV-Filme ab. MP4 geht wie bei den anderen Tablets natürlich auch, selbst in Full-HD-Auflösung und mit H.264 kodiert. Es spielt auch alle Audio-Test-Dateien ab – auch FLAC, OGG und WMA. Ebenso umfangreich ist seine Unterstützung bei Foto- und Office-Dateien.

Fazit: Das Galaxy Tab 10.1 ist das bisher beste Android Tablet am Markt und es ist verständlich, warum Apple offenbar mit allen Mitteln versucht seinen Verkauf zu stoppen. Bei der Bedienung liegt Honeycomb meiner Meinung nach mittlerweile bereits deutlich vor iOS – die Kombination von Widgets und Apps erleichtert die Kontrolle und die Handhabung erheblich. Bei der Formatunterstützung punktet das Gerät ebenfalls. Etwas schwächer schneidet es bei Flüssigkeit der Bewegung im Browser und bei der Akkulaufzeit ab. Aber Akkulaufzeit und Gewicht sind wohl nicht parallel vergrößerbar. Bei Gewicht und Formfaktor hat wieder Samsung klar die Nase vorne. Unter dem Strich erhält man beim Tab 10.1 von Samsung jedenfalls das beste Preis-/Leistungsverhältnis.

Preis:

-      3G 16 GB: 599,- Euro (32 GB 699,- und 64 GB 799,-)

-      Wifi 16 GB: 479,- Euro

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Reaktionen auf diesen Artikel


NoOne, 17.08.2011
Korrektur
Der Akku hat bestimmt 7000 mAh und nicht 700 !!!

Antworten


Seb, 21.08.2011
Negativ überrascht
Seit gestern bin ich im Besitz des Samsung Galaxy Tab 10.1 und um ehrlich zu sein, bin ich negativ überrascht.

Vor dem Kauf habe ich die Version mit der Honeycomb-Oberfläche getestet und insgesamt war ich von dem Gerät angetan, auch hinsichtlich der Geschwindigkeit.

Das gestern erhaltene Gerät verfügt bereits über Samsungs TouchWiz-Oberfläche und vermutlich liegt es daran, dass das Gerät merklich (!) ruckelt. Insbesondere im direkten Vergleich mit dem iPad 2 fällt dies meiner Meinung nach sehr negativ auf.

Schade, denn von der technischen Seite her sollte das Galaxy Tab 10.1 absolut ebenbürtig sein. Und das Samsung besser als Apple sein kann, haben sie bereits mit dem Samsung Galaxy SII bewiesen.

Ich hoffe auf die kommenden Android- / Touch Wiz-Updates, vielleicht wird es dann flotter.

Stand jetzt: Lieber zum iPad greifen!

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