Nach längeren Verzögerungen teilt nun Hutchison 3 G mit, dass der Verkauf der österreichischen Orange Tochter fixiert wurde. Hutchison 3G Austria („H3G Austria“), eine Tochtergesellschaft von Hutchison Whampoa Limited, hat heute bekannt gegeben, dass ein verbindlicher Kaufvertrag über die 100-prozentige Übernahme von Orange Austria von Mid Europa Partners („MEP") und France Telecom unterzeichnet wurde.
(3.2.2012, 07:13) Der Verkauf von Orange an 3 war bereits im November fixiert worden, wie die Telekom Presse als erstes Medium berichtete. Wenig später sickerte auch ein Verkaufspreis von 1,4 Milliarden durch.
Doch anschließend kam es zu immer weitere Verzögerung zum Teil auch durch die Gespräche mit den Regulierungsbehörden. Fraglich waren die Verwendung der Frequenzen und Basisstationen, sowie die Billigmarke Yess! von Orange und deren Kunden. Teile davon sollen um kolportierte 400 Millionen Euro an A1 abgegeben werden.
Hutchison 3G Austria (H3G Austria), eine Tochtergesellschaft von Hutchison Whampoa Limited, hat nun heute bekannt gegeben, dass ein verbindlicher Kaufvertrag über die 100-prozentige Übernahme von Orange Austria von Mid Europa Partners (MEP) und France Telecom unterzeichnet wurde. Im Zuge der Veräußerung werden bestimmte Frequenzen, Sendestandorte und geistige Schutz- und Urheberrechte, ebenso wie der Mobil-Discounter Yesss! Telekommunikation GmbH (Yesss!), umgehend nach Verkaufsabschluss an die Telekom Austria Group verkauft. Diese hatte im Jahr 2010 einen Umsatz von 56 Millionen Euro erzielt.
Der Vertrag beziffert den Unternehmenswert von Orange Austria vor dem Verkauf von Vermögenswerten an die TA, auf rund 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt erwirbt die TA die oben genannten Vermögenswerte in einem Umfang von 390 Millionen Euro. H3G Austria investiert damit insgesamt 0,9 Milliarden Euro und ist davon überzeugt, dass durch den Zusammenschluss langfristig Kosten- und Investitionssynergien im Wert von mindestens 500 Millionen Euro zu erzielen sind. Abhängig vom Erfolg des Integrationsprozesses hat H3G Austria eine Zahlung von bis zu 70 Millionen Euro an die MEP zwei Jahre nach Abschluss der Transaktion vereinbart.
Mit rund 2,8 Millionen Kunden, einem Marktanteil von 22%, und gemeinsamen Erlösen von über 700 Millionen Euro im Jahr 2011, schafft der Zusammenschluss der beiden Unternehmen einen starken wettbewerbsfähigen Player am österreichischen Markt. Die Kunden von Orange Austria genießen in Zukunft das 3MegaNetz sowie hohe Netzabdeckung und Netzqualität. In Zukunft profitieren alle 3Kunden von einer weiter steigenden Netzqualität sowie von Innovation und Service infolge des vergrößerten Frequenzspektrums, des erweiterten Vertriebsnetzes und der Effizienzgewinne, die der Zusammenschluss möglich macht.
Die Genehmigung der Übernahme durch die Wettbewerbsbehörden wird Mitte 2012 erwartet. Bis dahin agieren H3G Austria und Orange Austria unabhängig am Markt.
Als der Venture Fonds Mid European Partners im Oktober 2007 die Anteile der Altgesellschafter gemeinsam mit dem französischen Mobilfunker Orange erwarb, soll nach Angaben des damaligen Mehrheitsaktionärs E.ON die Bewertung 1,4 Milliarden Euro betragen haben.
MEP muss damit offenbar einen kleinen Abschlag in Kauf nehmen, der erst nach 2 Jahren ausgeglichen werden könnte. Doch der günstige Preis ist wohl begründet. Orange hatte sich überhaupt nicht so entwickelt, wie es sich das MEP und auch Mit-Investor und CEO Michael Krammer vorgestellt hatten. Bei der Übernahme verfügte One/Orange noch über 20,9% Marktanteil und ein Wachstum auf etwa 30% war angepeilt. Tatsächlich kam es jedoch zu einer Schrumpfung, denn per Mitte 2011 ist der Marktanteil von Orange bereits auf 18,4% zurückgegangen. Die Zahlen sind die offiziellen vom Regulator rtr GmbH im Telekom-Monitor veröffentlichten (Chart siehe unten).
Allerdings hat Orange offenbar seit der letzten Veröffentlichung durch den Regulator noch weitere Marktanteile verloren, sonst müsste der Anteil der beiden Unternehmen höher als die angegebenen 22% sein. Die Kundenzahl von Yess! soll per September 2011 bei 741.800 gelegen sein. Das ist kanpp über 6%, die allerdings einen recht mickrigen jährlichen Erlös von unter 100 Euro abliefern. Darunter auch 537.000 Prepaid Kunden, die naturgemäß sehr mobil sind. Geht man von den Zahlen von Mitte 2011 aus, so so muss Orange weiter Kunden verloren haben, was auch den Preisabschlag von der 1,4 Milliarden Euro Bewertung in 2007 auf die 1,3 Milliarden heute rechtfertigen würde.
Die Kennzahlen
3, unter CEO Jan Trionow (links), hingegen schnitt mit einem Wachstum von 5,2% auf 9,5% im gleichen Zeitraum deutlich besser ab. Auch beim Umsatz musste Orange einen Rückgang von 603 Millionen Euro auf 563 Millionen hinnehmen. Das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit (EGT) wurde aber von 0,9 auf 37 Millionen verbessert. 3 hingegen befindet sich noch immer in der Verlustzone. Die folgende Tabelle zeigt die Kennwerte der beiden Unternehmen nochmals im Überblick:

Die Aussichten
Das relativ gute EGT von Orange wurde aber auch mit stark reduzierten Investitionen erkauft, was dazu führt, dass sowohl Netzqualität als auch Flächendeckung schon stark hinter den Anforderungen an ein zeitgemäßes Netz zurück geblieben sind. Nach einem Zusammenschluss spielt das aber keine Rolle mehr, da das Netz von 3 hervorragend ausgebaut ist.
Damit ändert sich nun der österreichsche Markt recht deutlich. Aus ursprünglich fünf Mobilfunkern werden nun ab Sommer und der Vollziehung der Verschmelzung nur mehr drei, die einander auf Augenhöhe im Markt begegnen werden. Eine Abschwächung des Konkurrenzkampfes ist dadurch aber wohl nicht zu erwarten, denn mindestens 3 hat noch immer deutlichen Aufholbedarf.
Wohl hat die Nummer 2 T-Mobile nach der Übernahme von tele.ring die Kundenzahlen nicht steigern können, sondern sogar verloren. Doch auch wenn T-Mobile zuletzt sehr unauffällig agiert hat und in der Netzqualität nicht besonders gut abgeschnitten hat, ist doch durch den starken Background der Deutschen Telekom eine neuerliche Verstärkung der Bemühungen um Kunden zu erwarten. T-Mobile hat auch im Oktober mit einem Umbau seines Netzes begonnen, der heuer abgeschlossen werden soll. Damit soll eine einfache und rasche Umrüstung auf LTE ermöglicht werden, dem nächsten Kampfgebiet um Kunden und höhere Erträge. Auch haben 3 und T-MObile in der Zwischenzeit ein Abkommen über gemeinsame Nutzung der Netze abgeschlossen, womit T-Mobile Zugang zu dem besser ausgebauten 3G-Netz von 3 erhält.
Unter der Voraussetzung, dass A1 seinen Marktanteil von 41% erhalten konnte, sollte es nun durch die Übernahme der Yess! Kunden auf rund 47% kommen und baut damit seine Marktführerschaft aus. Ob die Kunden allerdings bei A1 bleiben ist sehr fraglich, handelt es sich dabei offenbar um Zweit- oder Dritthandys bzw. um Handys, die man innerhalb der Familie den Kindern gibt. Hier sollte 3 also dann durchaus Chancen haben Kunden zurückzugewinnen. Allerdings ist der Erlös mit diesen Kunden recht gering und sollte bei höchstens 100 Euro pro Jahr liegen, also deutlich unter dem durchschnittlichen Umsatz mit 'normalen' Kunden.
Hier der letzte vom Regulator bekannt gegebene Stand der Marktanteile der Mobilfunker in Österreich:

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