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Wie jedes Jahr wurden die wenig geliebten Auszeichnungen in Sachen mutmaßlicher Angriff auf die Privatsphäre der Menschen verliehen.
(Wien, 27.10.2004) Der jährlich wiederkehrende Big Brother Award wurde in sechs Kategorien an fünf Preisträger vergeben. Ausgezeichnet werden damit Firmen, Einzelpersonen und Körperschaften, die sich besonders der Verletzung der Privatsphäre verdächtig gemacht haben.
The Winner are Der erste Preis in der Kategorie "Business und Finanzen" ging an den Grazer Nachtclub "World of Nightlife" wegen "bedenkenloser Einführung von Überwachungstechnologien" in der Freizeit. Einige Webcams übertragen aus dem Ort des Vergnügens live ins Netz. In der Kategorie "Politik" werden die EU-Innen- und Justizminister von Schweden, Frankreich, Irland und Großbritannien bedacht, weil sie in ihrem Richtlinien-Vorschlag zu "Data Retention" fordern (entgegen der EU-Richtlinie und nationalen Datenschutzgesetzen) alle Kommunikationsdaten (Telefon, E-Mail, Internet, P2P, ICQ, etc.) präventiv drei Jahre oder länger zu speichern.
Behörden und Verwaltung In der Kategorie "Behörden und Verwaltung" wurde einige Wiener Amtsärzte kollektiv ausgezeichnet "stellvertretend für alle Amtsärzte, die ihre ärztliche Schweigepflicht über Bord werfen und persönliche Daten von Patienten ohne Bedenken an andere Behörden weitergeben". Mobilfunker Hutchison indes wurde in der Kategorie "Kommunikation und Marketing" bedacht "für die Verbesserung des von T-Mobile eingesetzten, so genannten 'friendfinder'-Dienstes". Damit ist es möglich, einen anderen "3"-Kunden auf Knopfdruck zu lokalisieren - dank des in bestimmten UMTS-Handys eingebauten GPS-Chips auf wenige Meter genau.
Lebenslang Die Kategorie "Lifetime Achievment" wurde in "Lebenslanges-Ärgernis-Elisabeth-Gehrer-Preis" umbenannt - für die "nachhaltigste Annäherung an die Romanvorlage 1984", so die Jury. Laut Ministerin Gehrer sollten Betragensnoten sechzig Jahre lang gespeichert werden. Die Kategorie "People's Choice" geht heuer an die Linz Strom GmbH. "Nichts unterlassen hat die Linz Strom, um ein ihr nicht genehmes Thema aus den Medien zu bringen, nämlich, dass die in Linz eingesetzte Powerline-Technologie Funkstörungen verursachen kann", so das Urteil von Jury und Wählern.
(rb)
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