Plagiate im Internet

Neue Probleme sind mit dem Wissensmonopol von Google und Wikipedia aufgetaucht: Urheberrechte werden oftmals außer Acht gelassen.

(Hannover, 29.09.2005) Die Suchmaschine Google und die Online-Enzyklopädie Wikipedia haben sich in jüngster Zeit zu Wissensautoritäten entwickelt. Doch mit dem Urheberrecht und der wissenschaftlich korrekten Zitierweise nehmen es Google und Wikipedia nicht so genau, schreibt der Medienwissenschaftler Stefan Weber im Online-Magazin Telepolis . Damit leisteten sie dem sich immer weiter verbreitenden Netzplagiarismus Vorschub.

Texte abgeschrieben
Der bequeme und enorm zeitsparende Weg zu Google und Wikipedia verstelle die Sicht auf ein Problem, das bislang kaum diskutiert wurde: In Frage steht nicht, wie einmal in die Wikipedia einspeiste Texte durch gemeinschaftliches Arbeiten am Text korrigiert und aktualisiert werden, sondern wie der Ursprungstext eines Beitrags eigentlich zustande gekommen ist. Stefan Weber fand in den Einträgen zu "Journalismustheorien" und zur "Theorie der Fotografie" Texte, die fast komplett wortwörtlich aus Veröffentlichungen zum einen von dem Medienwissenschaftler Martin Löffelholz und zum anderen von ihm selbst abgeschrieben waren. Bei beiden Einträgen waren weder die Urheber vorher um Erlaubnis gefragt worden, noch waren die Quellen wissenschaftlich richtig angegeben.

WWW-Wissen an Unis
Da Wikipedia mittlerweile ein Wissensmonopol innehat, bleibt diese Tatsache nicht ohne Folgen. Und so diagnostiziert Martin Löffelholz in diesem Zusammenhang: "Schon seit längerer Zeit machen wir an unserer Universität die Erfahrung, dass Studierende primär Instrumente wie Google oder Wikipedia nutzen, um sich einen Überblick zu einer bestimmten wissenschaftlichen Frage zu verschaffen. Damit erhalten diese Studierenden aber keineswegs den aktuellsten und relevantesten Forschungsstand. Das führt zu einem deutlichen Qualitätsverlust in der wissenschaftlichen Arbeit." Die vielen Gesichter des Netzplagiarismus sind derzeit ein Fass ohne Boden, schreibt Weber weiter und fordert Forschungsprojekte und Lehrstühle für Netzplagiate und wissenschaftliche Text-Fakes.

 


(im)


Reaktionen auf diesen Artikel

So etwas aber auch...
Tja, die Herren (und Damen) sollten sich vielleicht auch mit den durch derartige Medien geschaffenen Änderungen der Rahmenbedingungen bei der Publikation wissenschaftlicher Arbeiten anfreunden - es wird Ihnen nichts anderes überbleiben.

So falsch ich es auch persönlich finde wenn Quellen nicht korrekt erwähnt werden - so sicher ist, dass über kurz oder lang alle wesentlichen Inhalte auf diese Art und Weise publiziert werden. Geld wird man in Zukunft mit der veröffentlichung von Wissen nicht mehr verdienen können.

Natürlich gibt es auch falsche oder veraltete Information - wie in vielen Universitätsbibliotheken übrigens auch. Aber ich bin sicher, dass in Zukunft Methoden gefunden werden dieses Manko auszugleichen und in absehbarer Zeit wird es dann genau umgekehrt sein: "dass Studierende Instrumente wie Bücher oder Publikationen nutzen ... erhalten diese Studierenden aber keineswegs den aktuellsten und relevantesten Forschungsstand."

Was ich aber für richtig und wichtig halte ist, dass es korrekte Quellenangaben gibt - denn man soll sich nicht mit frenden Federn schmücken sondern diese schlicht und einfach möglichst vielen zugänglich machen.
  Michael Warmuth - 2005-09-30
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