Verlage killen ihre Apps für Magazine und Zeitungen

Was anfangs wie ein gutes Geschäft aussah, erweist sich nun als kostspieliger Flop. Immer mehr Apps werden zurückgezogen und durch Webseiten in HTML5 ersetzt.

 

(8.5.2012, 13:10) Im April 2010 wurde das iPad präsentiert und die alten Verlage schöpften sofort Hoffnung, dass damit die Widerwärtigkeiten des Web überwunden werden könnten. Denn 15 Jahre nachdem das Internetzeitalter begann, herrscht bei den alten Medien noch immer Ratlosigkeit, wie mit der digitalen Welt umzugehen sei.

Laut einer Studie von Pew Research Center im Rahmen des 'Project for Excellence in Journalism' leiden die meisten Zeitungen unter Umsatzschwund und müssen dringend neue Ertragsquellen erschließen. Bisher aber konnten sie, so die Pew-Studie, für sieben Dollar, die sie im traditionellen Geschäft an Umsatz verlieren, nur einen Dollar im Internet erwirtschaften.

Das Internet hatte die Leser gelehrt, Inhalte dann zu konsumieren, wann sie es wollten. Das Web war und ist kostenlos, aktuell und offen. Bezahlschranken funktionieren nicht oder bestenfalls bei einem Medium wie dem Wall Street Journal, das über exklusive Top-Inhalte verfügt.

Da schien das iPad und die Tablets im Allgemeinen der rettende Ausweg. Und die alten Medien warfen sich mit Vehemenz auf die neue Chance wieder eine geschlossen Umgebung, ohne Links nach außen anzubieten, die Werbung aus dem Print darüber zu spielen und wieder Abos oder einzelne Ausgaben zu verkaufen. Hier unsere Vergleichstest deutscher und österreichischer Medien-Apps für das iPad von Anfang 2011.

Die eigenen IT-Abteilungen wurden daran gesetzt, schnell eine App zu produzieren, die aber oft nicht mehr als ein pdf der aktuellen Ausgabe mit lähmenden Downloadzeiten lieferte. Auch Adobe, das mit InDesign und seiner Creative Suite die Print Produktion beherrscht, war rasch dabei, die Übertragung von Print Inhalten in die Apps zu ermöglichen.

Sogar eine eigene Publikation für das iPad hob Rupert Murdoch mit The Daily aus der Taufe und investierte 30 Millionen Dollar in die Vorbereitung. 500.000 Abonnenten wollte man gewinnen um Break Even mit den wöchentlichen Produktionskosten von 500.000 Dollar zu sein. Im September des Vorjahres waren es aber gerade einmal 120.000 Leser und zum einjährigen Geburtstag am 2. Februar heuer waren es nur mehr knapp 100.000 Abos.

Im Vorjahr führten dann die Verlage einen Krieg gegen Apple, das 30% der Verkaufserlöse einsackt, verloren aber. Apple verlangt noch dazu, dass nirgendwo geringere Preise als in der App verlangt werden dürfen.

Aber vor allem bei den Lesern kamen die Apps gar nicht gut an. Wir sind vom Web an die Links gewöhnt, die natürlich in den Apps fehlten. Sie sind abgeschlossene „Walled Gardens“.

Kein Wunder, dass die Apps zwar rasch Leser gewannen, diese aber fast noch schneller wieder verloren. Wired, der am meisten digitale Titel von Cond Nasts Publikationen brachte es auf über 33.000 Abonnenten, was aber nur 4,1% der Leserschaft repräsentiert. Eine kürzlich von Nielsen veröffentlichte Studie zeigt, dass zwar ein Drittel der mobilen User eine Medien App im vergangen Monat heruntergeladen hatte, aber nur davon 19% nutzen sie auch. Die meisten Leser gehen einfach direkt auf die Webseiten der Medien.

Die meisten Apps sind in der Zwischenzeit einfache RSS-Reader - wie unsere auch (hier geht es zum Download). Die bezahlte, aufwändig gestaltete App ist - zumindest in den USA - so gut wie tot.

Die Geschichte der Financial Times ist bezeichnend. Schon vorigen Juni wurden die Apps aus dem iTunes Store entfernt und eine neue Version der Webseite gelauncht, die in HTML5 geschrieben ist und sich an die Größe des Geräts anpassen kann. Und immer mehr andere Medien wie nun die Technology Review des MIT folgen dem Beispiel.

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