Nach Sonys Ausstieg: Samsung reduziert Aufträge in Taiwan

Die seit 2004 bestehende Kooperation zwischen Sony und Samsung zur Produktion von LCD-Panels wurde vergangene Woche aufgelöst. Wegen der schlechten Lage am Markt für Fernsehgeräte verabschiedete sich Sony aus der Joint Venture S-LCD um sich auf das Smartphone-Segmenat zu konzentrieren. Nun geht man davon aus, dass Samsung als Folge der reduzierten Bestellungen von Sony seinerseits die Aufträge für LCD-Panels in Taiwan reduziert.

 

(02.01.2012. 10:00) Als Sony dem Wachstum des LCD-TV-Marktes noch optimistisch gegenüberstand wurde gemeinsam mit Samsung zur Senkung der Entwicklungskosten und zur Nutzung gemeinsamen Know-Hows das Joint Venture S-LCD gebildet. Vor allem mit der Produktion von großflächigen LCD-Bildschirmen konnte man zu dieser Zeit einen Deckungsbeitrag von etwa 20 bis gar 35 Prozent erzielen. Vor allem diese lukrativen Aussichten festigten bald Sonys Beschluss mit Samsung zusammenzuarbeiten.

 

Allerdings verschlechterte sich die Lage am Markt für Fernsehgeräte zunehmend. Der Preis der Panels fiel rasant ab und das Marktwachstum verringerte sich. Hauptgründe waren vor allem die sinkende Nachfrage nach Geräten in den USA und Westeuropa, der starke Yen und die massenhafte Produktion günstiger Bildschirme in Thailand. Als Folge erreichte der seit 2003 akkumulierte Verlust für Sony etwa 8,4 Milliarden Dollar. Dies machte es erforderlich, die Produktionskosten und die Kosten für die Joint Venture so schnell und effizient wie möglich zu reduzieren.

 

Wegen des hohen Verlustes im TV-Geschäft und der gleichzeitig steigenden Nachfrage nach Smartphones beschloss Sony, sämtliche Anteile von Sony Ericsson zurückzukaufen, um seinen eigenen Smartphone-Bereich ausbauen zu können. Gleichzeitig entschied man sich schließlich endgültig dafür, aus der Joint Venture mit Samsung auszusteigen, um unnötige Kosten einzusparen.

 

Für Lieferanten in Taiwan muss Sonys Rückzug aus dem TV-Geschäft nun aber nicht zwangsweise zu ausschließlich positiven Konsequenzen führen. Bisher gingen taiwanische Firmen davon aus, dass japanische Hersteller wie Sharp, Panasonic, Toshiba und Sony ihre Bestellungen für die Produktion von Panels erhöhen werden. Man vermutet, dass Sony, nach dem Ausstieg aus dem Joint Venture, die Aufträge an Samsung stark reduzieren wird, weshalb es wahrscheinlich ist, dass das Unternehmen in Zukunft tatsächlich stärker auf taiwanische Lieferanten setzt.

 

Samsung ist allerdings der weltweit größte Verkäufer von LCD Fernsehgeräten. In 2011 wurden etwa für 40 Prozent der Samsung Geräte LCD Panels von AU Optronicus (AUO) oder Chiei Innolux (CMI) verwendet. Wenn nun aber Sony die Bestellungen von Samsung reduziert und die Aufträge damit deutlich verringert, kann man davon ausgehen, dass auch Samsung die Anzahl der LCD-Panel-Bestellungen von taiwanischen Firmen einschränkt und sich die Auftragslage für Firmen in Taiwan insgesamt verschlechtert.

 

Sonys Ausstieg aus dem Joint Venture ist daher mit Sicherheit nicht ausschließlich vorteilhaft für taiwanische Firmen.

 

Verwandte Themen

Reaktionen auf diesen Artikel

Es wurden noch keine Reaktionen in diesem Forum eingegeben.

Kommentar hinzufügen

Telekom Presse Dr. Peter F. Mayer KG
Ziegelofengasse 29, A-1050 Wien, E-Mail: office@telekom-presse.at, Tel. +43 664 400 15 55
Devices | Mobility | Entertainment