Der chinesische Technologiekonzern Huawei ist bei den Telekom Ausrüstern bereits die Nummer 2, bei mobilen Geräten unter den Top 5 und nun auch im Enterprise Sektor auf dem Weg nach oben. Massiv wachsende Umsatzzahlen belegen den Erfolg.
(19.07.2012, 17:20) Für den chinesischen Telekom Ausrüster und Handyproduzenten laufen die Geschäfte von Jahr zu Jahr besser. Im Ausrüstergeschäft ist das in der Sonderwirtschaftszone in Shenzhen domizilierte Unternehmen schon die Nummer 2 hinter Marktführer Ericsson und vor Alcatel Lucent oder Nokia Siemens Networks. Die größten Telekoms in Europa, darunter T-Mobile, Telefonica, KPN oder A1, kaufen immer mehr Equipment von dem preislich und auch technologisch überlegenen Lieferanten.
Auch die Handy- und Smartphone-Sparte gedeiht prächtig. Aus der Device Division kommen bereits 6,8 Milliarden Dollar des für 2012 erwarteten Gesamtumsatzes von 38,7 Milliarden Dollar. Bisher hat man insgesamt etwa 150 Millionen mobile Geräte verkauft, davon immerhin 22 Millionen Smartphones. Heuer sollen es 100 Millionen insgesamt und 60 Millionen Smartphones werden. Damit hat man sich einen fixen Platz unter den Top 5 gesichert und binnen 3 bis 4 Jahren will man unter die Top 3 vorstoßen.
Allerdings meint nun Analyst Horace Dediu von Asymco, dass im Q2 Huawei bereits Nokia und RIM überholt haben könnte und hinter Samsung und Apple auf Platz 3 vorgestoßen ist. Für das Gesamtjahr erwartet Dediu ebenfalls Platz 3 für Huawei mit 60 Millionen Stück Smartphones hinter Apple mit 134 Millionen und Samsung mit 207 Millionen.
Huaweis Geräte laufen primär auf Android, zu einem kleineren Teil auf Windows Phone. Heuer soll noch ein Smartphone mit WP8 kommen, im nächsten Jahr Tablets mit Windows RT.

Ende des Vorjahres richtete Huawei auch eine Enterprise Division ein, die Branchengrößen wie Cisco auf die Hörner nehmen und Unternehmen weltweit mit Ausrüstung versorgen soll.
Kürzlich kam Huawei ins Visier der generellen Anti-China Propaganda der USA. Man sagte dem Unternehmen nach, sein Equipment mit „Backdoors“ auszurüsten um chinesischen Stellen einfache Spionage zu ermöglichen. Die Firma wurde auch in die Nähe des chinesischen Militärs gerückt. Bei einem Besuch des R&D Centers von Huawei in Shangahi und der Firmenzentrale in Shenzhen in der vorigen Woche, fragte ich nach. Aber Huawei ist eindeutig eine private Gründung und nicht eine des Militärs. Die Antwort war auch eindeutig: „Wenn wir das täten wären wir tot“, meinte Reinhard Waehlen, ein Deutscher, der in der Kommunikationsabteilung von Huawei in shenzhen tätig ist. Abgesehen davon - alle Mitbewerber von Huawei lassen auch in China fertigen.

Der Erfolg von Huawei beruht auf mehreren Faktoren. Da ist zuerst der hohe Aufwand von rund 10% des Umsatzes in die Forschung. Rund 62.000 Mitarbeiter arbeiten in R&D. In China gibt es 7 Zentren, die weiteren sind weltweit verstreut, etwa für Softwareentwicklung in Indien, aber auch in Deutschland, Frankreich, Italien oder Schweden unterhält Huawei Forschungszentren. Im Bild oben das einen Kilometer lange Atrium im R&D Center Shangahi.

Ein zweiter Faktor für den Erfolg ist, dass das Unternehmen mit modernsten Managementmethoden geführt wird. Dazu hat man sich Berater wie IBM, Accenture oder PWC engagiert.
Der dritte Faktor ist die enge Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen, das ausschließlich im Besitz von 65.000 chinesischen Mitarbeitern steht. Der größte Aktionär ist Gründer Ren Zhengfei, der aber nur bescheidene 1,3% der Aktien hält. Auch auf Diversität legt das Unternehmen großen Wert. 30% der 140.000 Mitarbeiter sind weiblich, ein hoher Prozentsatz für eine Technologiefirma, und im 13-köpfigen Board sitzen 3 Frauen, darunter die Chairwoman und die Finanzchefin.
Jedenfalls ist Huawei eines der Vorzeigeunternehmen Chinas und ein guter Beleg für die Leistungsfähigkeit des Landes. Für ein erst 1987 gegründetes Unternehmen keine schlechte Leistung.
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