Think Green
Was genau ist Green-IT?
Green-IT beschreibt die umwelt- und ressourcenschonende Handhabung und Produktion von Informationstechnologie. Die grüne Informationstechnologie setzt bereits beim Entwurf von Geräten an, prägt deren Produktion und muss auch bei der Entsorgung des Geräts die grüne Linie berücksichtigen. Vordergründig geht es bei der Green-IT um die Senkung des Energieverbrauchs der technischen Geräte. Ein weiterer Punkt, der die Green-IT ausmacht, ist die Senkung der Umweltbelastungen. Gefährliche Substanzen in der Produktion sollen möglichst vermieden und natürliche Ressourcen geschont werden. In den grünen Bestrebungen sind nicht nur umweltschonende Hard- und Softwarelösungen beinhaltet, sondern auch Entwicklungen in Richtung Virtualisierung. Außerdem kann zwischen Energieeinsparung während der Nutzung (zum Beispiel energiesparender Monitor) und durch die Nutzung (zum Beispiel Videokonferenz statt Dienstreise) unterschieden werden.
Warum Green-IT?
Green-IT wird unter anderem als Antwort auf den Klimawandel verstanden. Die IT-Branche verursachte 2007 rund zwei Prozent (820 Millionen Tonnen) der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen. Der CO2-Ausstoß der IT-Branche soll dadurch mittlerweile dem CO2-Ausstoß des Luftverkehrs entsprechen. Aufgrund der rasanten Entwicklung im IT-Bereich wird für die Zukunft eine noch höhere Umweltbelastung durch Computer und Co erwartet. Für 2020 rechnen Experten mit einem Anstieg auf drei Prozent. Bereits für die Herstellung eines durchschnittlichen Computers werden zwei Tonnen an Rohstoffen benötigt und bis zu 25 Tonnen CO2-Emissionen verursacht. Auch der Aufstieg der Schwellenländer im elektronischen Bereich wird zur zunehmenden Belastung.
Verantwortung auf allen Seiten
Dabei betrifft Green-IT alle Verbraucher: Vom einzelnen User mit seinem Heim-PC bis hin zu großen Server-Anlagen der Provider. Vor allem der Strombedarf von Servern ist durch die zunehmende globale Vernetzung rasant gestiegen. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich der Strombedarf verdoppelt. Damit Green-IT nicht zu einem Modewort verkommt, ist nicht nur die Verantwortung der Unternehmen und der Politik gefragt. Auch der User kann die Umwelt schonen. Ein erster kleiner Schritt dazu wäre bereits, das Kabel aus der Steckdose zu ziehen, wenn das Gerät nicht mehr verwendet wird. Der einzelne Nutzer muss sein Bewusstsein stärken: Pro Suchanfrage mittels Internet-Suchmaschinen wird genauso viel Energie verbraucht, wie eine Acht-Watt-Energiesparlampe in einer Stunde benötigt.
Wer macht mit bei Green-IT?
Ob auf der Computerfachmesse CeBit oder am Mobile World Congress, das Thema Green-IT ist in aller Munde. Auf beiden Messen war die "grüne Technologie" heuer eines der Haupthemen. Im Mittelpunkt standen dabei Handys, Notebooks und der Umweltschutz. Die neuen Innovationen sollen umweltschonender, recyclebar und ein wichtiger Beitrag zum besseren Ökosystem sein. Dass diese Thematik nicht an den Herstellern nahtlos vorbeigehen kann ist bereits seit dem vergangenen Jahr klar. Viele Hersteller haben deshalb den Entschluss gefasst mit Umweltorganisationen zusammen zu arbeiten und großen Wert auf umweltschonendes Material zu legen.
Greenpeace Ranking
Eine Initiative, die von Greenpeace ausgeht ist ein Ranking, bei dem angeführt wird, an welcher Stelle Hersteller stehen, wenn es um umweltschonende Technologie geht. Die ersten drei Plätze belegen Nokia, Sony Ericsson und Toshiba. Die Schlusslichter bilden Microsoft, Lenovo und Nintendo. Obwohl Microsoft ein großer und transnationaler Konzern ist, produziert er mitunter die schlechtesten Produkte, wenn es um Umweltschutz geht.
Die Suche nach grüner Elektronik
Dazu hat Greenpeace eine weitere Studie herausgebracht, "Searching for greener Electronics", in der Geräte und Konzerne auf ihre Green-IT-Tauglichkeit getestet wurden. Greenpeace forderte Unternehmen auf, Daten über ihre Laptops und andere Geräte herauszugeben, damit eine Bewertung stattfinden kann. Einige Anfragen bei bekannten Herstellern blieben sogar unbeantwortet.
Samsung-WWF-Initiative
Eine weitere Initiative, die man auf einer Webplattform findet, ist der Umweltrechner, über den wir bereits berichtet haben. Dieser trägt dazu bei, Angaben zu verschiedenen Umwelteinflüssen zu machen. Hier kann zum Beispiel der Emissionsanteil von Gasen und Ähnlichem angezeigt und berechnet werden. Anbei gibt es noch ein Extra zu Umweltschutzausgaben. Der World Wide Fund For Nature (WWF) hat Samsung als Partner dazugewonnen und arbeitet mit diesem Hand in Hand. Der Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, beim Verkauf eines Fernsehers der Serie 7 bis Serie 9 30 Euro vom Verkaufswert an den WWF zu spenden. Somit wurden bislang (Stand 4.3.2009) 70.170 Euro für den WWF erwirtschaftet, die für die Erhaltung der March-Thaya-Auen verwendet werden.
Eco & Blue Earth
Überdies hat Samsung nicht nur umweltschonende Flachbildschirmfernseher herausgebracht, sondern auch Mobiltelefone mit dem Siegel Eco. Besonders das Samsung SGH E200 Eco und das solarbetriebene Blue-Earth-Handy haben derzeit auf den IT-Messen Beachtung gefunden. Auch Digitel und LG kamen mit einem solarbetriebenen Umwelt-Prototyp zum Mobile World Congress (MWC). Ein Modell aus Recycling-Material und mit umweltbewusster Verpackung präsentierte auch Motorola mit dem Renew W233.
Der Wurm im Apple
Vor allem aber Apple scheint geläutert zu sein. Nachdem das Unternehmen die Greenpeace Studie verweigerte, setzte man jetzt auf "Grün". Die neue Serie der Mac-Books ist vor allem durch die neue Fernsehwerbung in den Mittelpunkt gerückt. Auf der Homepage macht Apple eine eindeutige Ansage "Der grünste Mac mini aller Zeiten". Betont wird dazu noch, dass kaum ein anderer Desktop-Computer so energieeffizient arbeitet wie der von Apple. "Der Mac mini ist das beste Beispiel für das ständige Engagement von Apple für den Umweltschutz", laut Apple-Homepage.
Modewort oder Zukunftsmelodie?
Green-IT ist sicherlich ein wichtiges Projekt und wird zunehmend bedeutender. Allerdings ist der Grat zwischen einem schlagenden Wort und einem Schlagwort nur sehr schmal. Immer mehr Unternehmen rühmen sich mit der grünen IT. Das verleitet allerdings zu dem Fehlschluss, dass die IT durch und durch umweltfreundlich ist. "Green IT sollte nicht allein als Energiesparen bei der IT, sondern mehr noch als Energiesparen mit der IT verstanden werden", meint daher Chefvolkswirt der Deutsche Bank Research Norbert Walter. Nur so könne der Energieverbrauch vom Wirtschaftswachstum entkoppelt werden. Zudem bezweifeln Experten, dass die IT-Branche die benötigten Energieeinsparungen aus eigener Kraft bewerkstelligen kann. Einsparungen in solchem Ausmaß können nur durch den Verzicht auf fossile Brennstoffe erreicht werden und hier wird eine starke öffentliche Hand benötigt. In der Zukunft könnten auch Strafsteuern eingesetzt werden, um Umweltziele in der Informationstechnologie zu erreichen.
Greenpeace Studie "Searching for Greener Electronics"
Gemäß der Green-IT-Aktualität hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace eine Studie initiiert um die Umweltverträglichkeit von Elektronikprodukten zu testen. 14 Unternehmen haben teilgenommen und bis zu drei Geräte zur Prüfung des Energieverbrauchs eingereicht. Insgesamt 37 Produkte – von Laptops über Mobiltelefone bis Desktops – sind in die Bewertung mit eingeflossen. Ziel war es, die tatsächliche Realisierung der angekündigten "grüneren Vorgehensweise" im Elektronikbereich zu eruieren.
Untersuchungsparameter
Untersucht wurde die Umweltverträglichkeit in drei großen Parametern: Gefährliche Chemikalien, Energieeffizienz und Recyclingfähigkeit der Produkte.
Einige Hersteller schafften eine signifikante Chemikaliensenkung. Sony Ericsson und Nokia haben bei ihren Mobiltelefonen komplett auf den Einsatz von PVC und Phtalaten, einem Kunststoff-Weichmacher, verzichten können.
In Bezug auf die Energieeffizienz wurden Verbrauch, Energiesparmaßnahmen und Energiespar-Einstellungen als Voreinstellungen für den Verbraucher getestet. Kaum ein Unternehmen gab wertvolle Informationen zu Energie-Spar-Tipps an den Endverbraucher weiter. Positiv sticht in diesem Bereich vor allem Dell mit stromsparenden Desktops aus der Herstellerliste heraus.
Abschließend gaben Garantie, Recyclingfähigkeit, Austauschbarkeit und Verfügbarkeit der Einzelteile Auskunft über die Lebensdauer der Produkte. Testsieger waren hier die Rechner von Fujitsu Siemens, Dell und das Notebook von Hewlett-Packard (HP). Panasonic, im Ganzen zwar nur im Mittelfeld platziert, hält als einziger Hersteller sieben Jahre lang Ersatzteile für sein Notebook Toughbook W5 bereit.
Fazit und Zukunftsperspektiven
Obwohl keines der Testprodukte als durch und durch grünes Produkt aus der Studie hervorging, sind die Ansätze der grünen Informationstechnologie bereits vielversprechend und zukunftweisend in Richtung einer ökonomischen Vorgehensweise in der IT-Branche. Trotz des durchaus positiven Ergebnisses bleibt für die Zukunft Verbesserungspotenzial: nur die Hälfte der untersuchten Geräte erfüllten die Greenpeace-Kriterien.
Ökobilanz – Lebensdauer – RoHS Richtlinie
Bis dato zielten die Bemühungen der Unternehmen vordergründig auf eine Energieverbrauchsreduktion der Produkte ab. Der Ruf nach einer Ökobilanz des gesamten Lebenszyklus von Elektrogeräten wird immer lauter, angefangen bei der Rohstoffgewinnung, über Produktion bis hin zur Verwertung.
Greenpeace fordert für den Durchbruch zu umweltverträglichen grünen Produkten mehr Engagement und einen Umdenkprozess seitens der Firmen. Die Einwegprodukte-Ära soll im Sinne einer nachhaltigen Zukunfts- und Umweltgestaltung durch austauschbare und langlebige Geräte abgelöst werden.
Die Ausnahmeregelungen unter der EU-Richtlinie zur Einschränkung gefährlicher Substanzen in Elektronikgeräten (RoHS – Richtlinien) sind obsolet. Auf Hersteller-Seite kann bereits größtenteils darauf verzichtet werden. Zukünftig sollen maßgebliche Verbesserungen in den Extrawurst-Richtlinien vorgenommen werden.
Traurige Erwähnung finden folgende Konzerne: Acer, Apple, Asus, Creative, Microsoft, Nintendo, Palm und Sharp. Eine Kontaktaufnahme zur Teilnahme an der Greenpeace-Studie blieb ihrerseits unbeantwortet.
( )© Telekom-Presse
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