Der Kaufpreis für Orange Österreich soll nun 1,4 Milliarden Euro betragen. Damit würden die jetzigen Eigentümer MEP und France Telecom mit einem blauen Auge aussteigen und in etwa ihren Einstiegspreis zurückbekommen.
(26.11.2011, 10:20) Alle Anzeichen deuten nun darauf hin, dass es in Österreich demnächst nur mehr drei Mobilfunker geben wird. Was einst als One begonnen hat und dann Orange wurde, soll nun 3 verstärken. Auch über den Kaufpreis hat man sich bereits geeinigt, so hören wir aus gewöhnlich gut informierten Kreisen und berichten andere Medien.
Als der Venture Fonds Mid European Partners im Oktober 2007 die Anteile der Altgesellschafter gemeinsam mit dem französischen Mobilfunker Orange erwarb, soll nach Angaben des damaligen Mehrheitsaktionärs E.ON die Bewertung 1,4 Milliarden Euro betragen haben. Den gleichen Betrag will nun auch die chinesische Hutchison, die in Österreich unter der Marke 3 firmiert und agiert, für Orange Österreich hinlegen.
Der zweite Verkauf für Michael Krammer

Damit gelingt Orange CEO Michael Krammer (rechts) zum zweiten Mal der Verkauf eines Mobilfunkers an einen Konkurrenten in Österreich – wohl auch international rekordverdächtig.
Beim Erwerb von tele.ring durch T-Mobile war der Preis jedoch noch wesentlich höher, zahlte die Deutsche Telekom doch damals 1.300 Euro pro Kunde, oder 1,3 Milliarden Euro für rund eine Million Kunden.
Bei Orange sind es dagegen nur 608 Euro pro Kunde, was etwa dem zweieinhalbfachen Jahresumsatz pro Kunde entspricht. Der Preis ist auch international gesehen noch günstig, wäre doch AT&T bereit für 35 Millionen Kunden der T-Mobile US 28 Milliarden Euro an die Deutsche Telekom zu zahlen, was 800 Euro pro Kunde entspricht.
Doch der günstige Preis ist wohl begründet. Orange hatte sich überhaupt nicht so entwickelt, wie es sich MEP und auch Mit-Investor und CEO Michael Krammer vorgestellt hatten. Bei der Übernahme verfügte One/Orange noch über 20,9% Marktanteil und ein Wachstum auf etwa 30% war angepeilt. Tatsächlich kam es jedoch zu einer Schrumpfung, denn per Mitte 2011 ist der Marktanteil von Orange bereits auf 18,4% zurückgegangen. Die Zahlen sind die offiziellen vom Regulator rtr GmbH im Telekom-Monitor veröffentlichten.
Die Kennzahlen
3, unter CEO Jan Trionow (links), hingegen schnitt mit einem Wachstum von 5,2% auf 9,5% im gleichen Zeitraum deutlich besser ab. Auch beim Umsatz musste Orange einen Rückgang von 603 Millionen Euro auf 563 Millionen hinnehmen. Das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit (EGT) wurde aber von 0,9 auf 37 Millionen verbessert. 3 hingegen befindet sich noch immer in der Verlustzone. Die folgende Tabelle zeigt die Kennwerte der beiden Unternehmen nochmals im Überblick:
Die Aussichten
Das relativ gute EGT von Orange wurde aber auch mit stark reduzierten Investitionen erkauft, was dazu führt, dass sowohl Netzqualität als auch Flächendeckung schon stark hinter den Anforderungen an ein zeitgemäßes Netz zurück geblieben sind. Nach einem Zusammenschluss spielt das aber keine Rolle mehr, da das Netz von 3 hervorragend ausgebaut ist.
Noch dazu hat der chinesische Anbieter kürzlich auch mit dem Ausbau seines LTE-Netzes begonnen. Damit soll wohl das schon bisher sehr erfolgreiche Angebot des 3Webcube – Breitband für zu Hause mit TV via Mobilfunk – ausgeweitet werden. 3 wird sich damit sogar gegen die Breitband/TV-Kombiangebote der A1 und UPC gut positionieren können, da es für die 3Webcube sehr leistungsfähige Nachfolger auf LTE-Basis gibt.
An Orange war nicht nur 3 interessiert. Keiner wollte den angeblich geforderten Preis von 1,5 Milliarden Euro zahlen. Andere Mobilfunker aus Österreich schieden schon aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aus – ein Deal mit A1 oder T-Mobile wäre niemals genehmigt worden. Und für jeden anderen – eben außer 3 – wäre wegen der hohen Investitionserfordernisse in das Netz und einem nicht konkurrenzfähigen Marktanteil ein Preis von 1,4 Milliarden wirtschaftlich nicht tragbar.
In der Bilanz 2010 hatte Orange noch einen Überhang von 612 Millionen Euro Verbindlichkeiten gegenüber Forderungen von 85 Millionen Euro, die wohl in Zukunft die Bilanz der 3 belasten werden.
Auch das Netz von Orange kann nicht unbedingt als Aktivum angesehen werden, da 3 selbst über sehr gute Flächendeckung verfügt. Wahrscheinlich wird 3 später sogar Standorte auflassen oder verkaufen müssen. Was sich jedoch positiv auswirken sollte, sind die zusätzlichen Frequenzen über die Orange verfügt. 3 wird wohl damit sein bisher reines 3G Netz um 2G erweitern müssen, um auch die Orange User, die noch über 2G-Handsets verfügen, weiter bedienen zu können. Ob 3 einen Teil der Funkstationen und auch die Marke Yess an A1 weiterverkauft, wie verschiedentlich berichtet wird, bleibt abzuwarten.
Unter dem Strich steigen MEP und die France Telecom mit diesem Kaufpreis noch relativ günstig aus, angesichts des Verlustes von Marktanteilen und des hohen Investitionsbedarfs, der für das Netz ohne Partner gegeben wäre.
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© Telekom-Presse
Fotos: (C) 3, Orange
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