Die Sorge um den Verlust der Medienvielfalt bringt immer neue Vorschläge hervor. Ein verschärfter Urheberrechtsschutz soll Zeitungen vor Google und anderen News-Aggregatoren schützen.
(Wien, 28.8.2010) Eric Clemons, Professor für Informationsmanagement an der Wharton School der Universität von Pennsylvania, und der Anwalt Nehal Madhani von der Kanzlei Kirkland & Ellis betiteln einen Beitrag im Online Magazin Business Insider mit „We need To Change Copyright Laws To Save Newspapers“. Grundgedanke ist, einem Artikel und den darin zitierten Fakten einen 24 Stunden währenden absoluten Schutz zu gewähren, so dass wieder mehr Menschen Zeitungen kaufen oder wenigsten deren Online Auftritt besuchen.
News Aggregatoren wie Google, Yahoo, Bing und andere haben praktisch in Sekundenschnelle jeden Beitrag, der irgendwo online erscheint gefunden und es sei daher möglich, "die wichtigsten Absätze fast jeder Story in der New York Times, der Washington Post und praktisch jedes anderen großen Nachrichtendienstes in Echtzeit zu lesen". Es sei daher, so der Artikel, nicht verwunderlich, dass "die traditionellen Medienpublikationen sterben".
Um das fortlaufende Sterben der Printmedien zu stoppen, schlagen die beiden Autoren vor, das US-Urheberrecht zu verändern: "Eine erste Empfehlung wäre, Zeitungen und anderen journalistischen Content-Anbietern einen speziellen Schutz zu gewähren, so dass kein Teil einer Story von einem Online-Newsaggregator... außer zur Kommentierung des Artikels vor Ablauf von 24 Stunden wiedergegeben werden darf. Eine noch stärkere Einschränkung, die 'Hot-News-Doktrin', würde nicht nur die Weiterverbreitung des Artikels, sondern auch seiner Aussagen verbieten..." Ohne solche Verschärfungen sei es "nicht klar, dass der investigative Journalismus wie wir ihn kennen, noch lange überleben wird."
Schutz von Fakten
Die Urheberrechtsgesetzgebung, wie sie in den westlichen Staaten üblich ist, schützt grundsätzlich geistige Schöpfungen, im Zusammenhang mit Medien also die Formulierung, Bilder und ähnliches. Nicht geschützt aber, ist die Wiedergabe von Fakten und diese selbst, was aber durch die vorgeschlagenen Veränderungen gegeben wäre.
Abgesehen davon, dass ein Schutz von Fakten in der Praxis wohl kaum durchführbar ist, greift der Vorschlag vor allem in ökonomischer Hinsicht zu kurz und die Autoren erwähnen auch mit keinem Wort die Änderungen in der Werbelandschaft. Diese hat jedoch mit Sicherheit wesentlich negativere Auswirkungen auf das Geschäftsmodell von Medien als das rasche Kopieren von Artikeln durch Google News. Eine Darstellung des Umbruchs der Medienlandschaft und der Versuch einer Analyse findet sich hier: Apps und Social Media killen klassische Medien
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