Mobiles Breitband teurer als Festnetz

Mobiles Breitband teurer als Festnetz

 
 

Die Downloadvolumina wachsen weiter stark. Damit wird mobiles Breitband gegenüber Festnetz und Kabel zu teuer. Und Kabel ist im Vorteil gegenüber dem Festnetz.

(Wien, 30.3.2009) In einer neuen Studie vergleicht der Strategie- und Innovationsberater Arthur D. Little die Konkurrenzposition von Festnetz, Kabel und mobilem Breitband. Weltweit hat ein Rennen zwischen den Anbietern zur Deckung der steigenden Nachfrage nach Breitband im echten High-Speed-Bereich, also von 100 Mbit/sec, begonnen. Dabei hat der Mobilfunk schlechte Karten.  denn laut Karim Taga, Managing Director bei ADL, sind die Kosten für mobiles Breitband bei Downloadvolumen von über fünf Gigabyte pro Monat gegenüber dem Festnetz nicht konkurrenzfähig.

 

Steigender Kapazitätsbedarf

Der Kapazitätsbedarf vieler Nutzer bewegt sich bereits jenseits dieser fünf GB und wird bald zehn GB übersteigen. Deshalb sind die "unlimited" Angebote auch die am stärksten nachgefragten. Diese können aber kostengünstiger von Kabel und Festnetz angeboten werden. Weltweit konkurrieren diese Unternehmen mit massiven Investitionen in den Ausbau ihrer Netze, in den USA Verizon (Glasfaser) und Comcast (Kabel), in Großbritannien Britisch Telecom (Glasfaser) und Virgin media (Kabel), in Singapur Singtel (Glasfaser) und Starhub (Kabel) sowie in Frankreich FT (Glasfaser) und Numericable (Kabel). In Österreich wird noch im zweiten Quartal von UPC Internet mit Bandbreiten von bis 100/10 Mbit/sec (Down-/Upload) angeboten werden. Die Telekom Austria und Tele2 sind mit etwa 16 Mbit/sec limitiert. Ausbaupläne sind bisher keine bekannt geworden.

 

Kabel in Vorteil gegenüber Festnetz

Durch den frühzeitigen Ausbau ihrer Netze haben Kabelnetzbetreiber in vielen Ländern, so auch in Österreich, eine Vorreiterrolle gespielt und neue und innovative Multimedia-Dienste in ihr Produktportfolio aufgenommen. In einigen Märkten weisen führende Kabelnetzbetreiber innerhalb ihres Versorgungsgebiets eine deutlich höhere Penetration von Haushalten auf als der jeweilige nationale Incumbent. Um ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber Anbietern anderer Breitbandtechnologien langfristig zu verteidigen, investieren Kabelnetzbetreiber hauptsächlich in Ballungszentren auch weiterhin stark in den Ausbau ihrer Netze und peilen durch den flächendeckenden Roll-out von DOCSIS 3.0 mit Bandbreiten über 100 Megabits pro Sekunden an. Dies entspricht einem Vielfachen dessen, was die Netze von Anbietern konkurrierender Festnetzbreitbandtechnologien gegenwärtig leisten können.

Dabei ist die Aufrüstung eines Kabelnetzes mit 240 Euro pro Haushalt gegenüber rund 1400 Euro, die bei der Herstellung eines FTTH-Anschlusses anfallen deutlich kostengünstiger als der Ausbau eines herkömmlichen Telefonnetzes.

Damit befindet sich Kabel in einer hervorragenden Position, muss jedoch in Effizienz und Marketing investieren."Kabelnetzbetreiber dürfen sich nicht auf ihren Technologievorsprung verlassen. Operative Effizienz und eine starke Marke werden zukünftig für den Erfolg ausschlaggebend sein ", so Karim Taga, Co-Autor der Studie und Leiter des Kompetenzzentrums für Technology Economics bei Arthur D. Little.

 

Kombiangebote

Wie sich auch in Österreich gezeigt hat, sind Kombiangebote besonders attraktiv. Durch Partnerschaften mit Mobilfunkbetreibern können Kabelnetzbetreiber zudem Kombiangebote, bestehend aus Festnetzbreitband, Kabelfernsehen und mobilen Diensten, auf den Markt bringen um sich neben den Triple- und Quadruple-Play Angeboten der Incumbents zu etablieren. Das geschieht zum Beispiel in Deutschland durch eine Partnerschaft zwischen KDG und O2. Aber auch Übernahmen von Mobilfunkern durch Kabler und umgekehrt, werden von Marktbeobachtern in zunehmendem Ausmaß erwartet.

 

Die Rolle der Regulierung in Österreich

Die Diskussion der Next Generation Access Regulierung ist in Österreich derzeit im vollen Gange. Unter Einbeziehung der Telekom Austria und der Kabelnetzbetreiber werden aktuell verschiedene Regulierungsansätze in Betracht gezogen.

Die Diskussion der Verteilung von Staatshilfen und den daran gekoppelten Verpflichtungen findet auf zwei Ebenen statt:

        In Ballungszentren muss die bestehende Infrastruktur aufgerüstet werden um Geschwindigkeiten von über 50 Megabits pro Sekunde zu erreichen

        In unterversorgten Gebieten muss Infrastruktur flächendeckend ergänzt oder aufgebaut werden um Geschwindigkeiten von über 20 Megabits pro Sekunde zu erreichen

Internationale Bespiele zeigen, dass bei der Deckung von unterversorgten Gebieten mit Next Generation Access Plattformen auch die Anbieter mobiler Telekommunikation zum Zuge kommen können. In Irland wurde beispielsweise ein Anbieter von 3G Infrastruktur ausgewählt um mit massiver Unterstützung des Staates eine flächendeckende Versorgung von ländlichen Gebieten mit einer Breitbandgeschwindigkeit von mindestens 20 Megabits pro Sekunde zur Verfügung zu stellen.

"Was das Ergebnis der derzeitigen Diskussionen auch sein wird, die Regulierung der Next Generation Access Plattformen wird in jedem Falle einen starken Einfluß auf zukünftige die Attraktivität des Standorts Österreich haben", so Taga.

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