(09.05.2011, 10:45) Indien, das Land der Gegensätze, arm und reich leben Seite an Seite. Die Grenze zwischen Old und New Delhi ist fließend. Deutlich wird dies im IT-Park wo die großen Firmen wie Microsoft und Oracle ihre Hochhäuser aufgebaut haben. Diese glanzvollen Glaspaläste stehen im Gegensatz zum armen Bettler und der heiligen Kuh, die vor dem Gebäude stehen. Doch dies scheint niemanden zu stören, Delhi ist einfach so, alt und neu hat sich nachtlos verbunden.
Die IT-Branche, die mit ihren 25 Milliarden Umsätzen weltweit, sogar größer als die Musikindustrie ist, brachte diese Veränderung ins Land. Angefangen hat alles bei Callcenters, dann wurden technische Centers nach Indien verlegt, bis sich schließlich die IT-Unternehmen selbst hier angesiedelt haben. Ein Teil dieser Veränderung stellt das Offshore-Training Programm von Koenig Solutions dar. Dabei handelt es sich um ein Ausbildungsprogramm mit dem IT-Zertifizierungen erhalten werden können. Das Kursprogramm richtet sich an ein globales Publikum und wird in Englisch angeboten.
Koenig Solutions
Das Unternehmen Koenig Solutions bietet Offshore-Training seit 2002 an. Begonnen haben sie mit einem Studenten und fünf Trainern. Jetzt haben sie mehr als 200 Kursteilnehmer pro Monat und verfügen über 140 Personen, die Trainings leiten. Erste Zertifizierungen wurden für Microsoft angeboten, mittlerweile sind Zertifikate für Oracle, Cisco, Redhat, VMware und andere dazugekommen. Um diese Zertifizierung erhalten zu können absolvieren die Teilnehmer einen themenbezogenen Kurs und müssen anschließend darin einen Online Test bestehen.
Kosten und Qualität spielen bei einem Trainingsprogramm in Indien eine entscheidende Rolle. Die Kosten beispielsweise für einen MCSE Kurs belaufen sich auf 2400 Euro, darin enthalten sind die Kursgebühr, Flugkosten, Unterkunft sowie Essen für 14 Tage. Im Vergleich dazu kostet dieselbe Zertifizierung in Europa ohne Flug und Übernachtung doppelt so viel. Für viele könnte der günstige Preis auf eine schlechtere Qualität in der Ausbildung hinweisen, doch das Gegenteil ist der Fall. In allen hundert Klassenräume sind modernste Ausstattungen zu finden und die Trainer sind gut ausgebildet.
Neben ihrer Tätigkeit im IT Bereich besitzt das Unternehmen auf eine karitative Seite. Sie starteten ein Schulprojekt in den armen Vierteln von Delhi, um Schülern die Möglichkeit zu geben mehr zu lernen. Ziel dieses Projektes ist es durch mehr Bildung seine Ziele erreichen zu können und sich zu verbessern.
Ausbildung
Hinter dem Programm steht die Vision die Ausbildung in der Welt zu verbessern, denn durch bessere Bildungen können Jobs geschaffen werden. Für alle Kursteilnehmer ist diese Vision während den Seminaren ständig allgegenwärtig. In allen besuchten Trainingscentern hängen Motivationssprüche um die Studierenden zu mehr Bildung anzuregen. Wie wenn man nicht versucht hat etwas Besseres zu werden, kann man nichts Besseres werden oder Bildung hilft dir etwas in deinem Leben zu erreichen. Wenn man durch die Gänge geht und diese Sprüche liest, hat man selbst gleich Lust einen Kurs zu besuchen um mehr aus sich zu machen.

Um einen gute Ausbildung zu ermöglichen, wurden viele Innovationen im Bildungsbereich vorgenommen. So bieten sie den Studierenden eine 1 zu 1 Studienmöglichkeit an, also ein Trainer unterrichtet einen Schüler. Normale Kurse werden in Gruppen mit fünf Personen abgehalten. Das Gute, das viele Studierenden in den Gesprächen beschrieben haben ist, dass die Kurse auch dann stattfinden, wenn der Kurs nicht voll ist. So wurde für einen Studenten aus Großbritannien ein Gruppenkurs zu einem 1 zu 1 Kurs. Sie bieten auch ein Karriere Enabler Programm an. In diesem können Quereinsteiger in nur 3 Monaten eine Ausbildung zu einem IT Profi erhalten. Verglichen mit der Ausbildung zu einem Mediziner, der eine bestimmte Anzahl von Jahren studieren muss, können Menschen sehr schnell zum IT-Profi umgeschult werden, wenn sie sich nur intensiv damit beschäftigen.
Ausbau des Programms
Zum Beginn des Programms gab es nur ein Trainingscenter in Delhi, bis heute sind drei weitere, in unterschiedlichen indischen Städten, dazugekommen. Um die Atmosphäre für die Studierenden noch zu verbessern, arbeiten sie ständig daran das Programm, den Komfort und die Ausbildung weiterzuentwickeln. So wird momentan in Delhi ein neues Trainingscenter gebaut, in dem die Studierenden gleichzeitig lernen und wohnen können. Gegenwärtig befinden sich die Unterbringung in anderen Teilen der Stadt und die Studierenden müssen dorthin transportiert werden, was kostbare Lernzeit kostet. Sie werden morgens mit dem Auto abgeholt, zum Kurs gefahren und abends wieder zurück in die Unterkunft gebracht.
Ein weiteres Trainingscenter in Dubai soll noch in diesem Jahr eröffnet werden. Dadurch sollen die Kursteilnehmer kürzer Anreisezeiten erhalten und keine Probleme bei der Einreise bekommen, da es in Dubai möglich ist das Visum direkt am Flughafen zu beantragen. Diese Möglichkeit hat man in Indien nicht, wenn man bei der Einreise kein Visum hat, wird man nichts in Land gelassen. Es ist schon öfter vorgekommen, dass einige Kursteilnehmer dann wieder nach Hause fahren mussten. Interessant ist, dass gerade Europäern so etwas passiert ist, der Schengen Raum trägt anscheinend dazu bei, dass Europäer vergessen, dass sie außerhalb diesem immer noch ein Visum benötigen. In Dubai werden vor allem schnelle Kurse angeboten, über einen kürzeren Zeitraum wird ein Thema intensiv vermittelt.
In den nächsten Jahren sollen weitere Trainingscenter folgen. Standorte könnten sich in Afrika oder aber auch in Europa und den USA befinden um den Kursteilnehmern die Anreise noch mehr zu erleichtern. Neben der Kurssprache Englisch wollen sie versuchen Kurse auch in Deutsch und Französisch anzubieten.
Die Studierenden
Die meisten Studierenden kommen aus Großbritannien, dicht gefolgt von Belgien und Deutschland. Ab und zu lässt sich auch ein Österreicher unter den Studierenden finden, es kommen aber nur wenige zu einer Ausbildung nach Indien. Diese Ausbildungsstätte ist also nicht ganz so bekannt bei uns oder der Vorteil dieses Trainings wurde noch nicht erkannt.

Zu einem Fünftel handelt es sich bei den Studierenden um sogenannte Umsteiger, also Personen, die vor diesem Programm nichts mit IT zu tun hatten. Durchschnittlich sind sie zwischen 30 und 40 Jahre alt. Viele werden von ihrem Unternehmen hier her geschickt um ihre Ausbildung zu verbessern. Die Studierenden mit denen ich gesprochen habe, kamen alle auf eigene Kosten. Sie meinten die Investition würde sich für ihre Zukunft lohnen, so könnten sie auf der Karriereleiter weiter aufsteigen und somit mehr Geld verdienen.
Alle Gesprächspartner waren zum ersten Mal zu einem Kurs in Delhi. Sie meinten dass sie durchaus bereit wären zu einem weiteren Kurs wieder zu kommen. Besonders haben sie hervorgehoben, wie gut sie sich aufgehoben fühlen. Ein IT-Profi aus UK meinte: „They organize everything. That’s great, because so you can full concentrate on studying.“ Lernen ist ein wichtiger Part der Ausbildung, teilten mir die Studenten mit, denn jede Woche müssen sie einen Test absolvieren. Manchmal kann es passieren, dass ein IT-Profi sich für einen bestimmten Kurs zu einer bestimmen Softwarezertifizierung anmeldet und in der Zeit bis er im Trainingscenter ankommt, dann eine neue Version der Software veröffentlicht worden ist. In solch einem Fall, wird den Studierenden die Möglichkeit gegeben selbst zu entscheiden, welchen Kurs sie besuchen möchten und dies ohne einen Mehrkostenaufwand. Diese Möglichkeit wird von den Kursteilnehmern sehr geschätzt.
Aufgrund des hohen Lernaufwands sehen die Kursteilnehmer während ihres Aufenthalts nur wenig von Indien. Einige versuchen dies nach ihrem Kursabschluss nachzuholen, in dem sie einige Tag dran hängen und um das Land zu erkunden. Auch die Organisation von Sight seeing übernehmen die Mitarbeiter von Koenig Solutions, sie wollen dass sich ihre Kursteilnehmern wohlfühlen und nach dem Lernen auch etwas entspannen können.
Ein wichtiger Entscheidungsgrund für Kursteilnehmer eine Ausbildung in Indien zu starten ist, dass sie hier Kurse absolvieren können wann sie sie benötigen. In Europa werden Weiterbildungen nur zu bestimmten Zeitpunkten angeboten und nicht dann, wenn sie benötigt werden. Die IT-Profis erfahren von ihren Arbeitgebern, dass sie in Zukunft mit diesem oder jenem Programm arbeiten werden und er sich deswegen so schnell wie möglich weiterbilden sollen. Daher gehen sie nach Indien, da von Koenig Solutions die Kurse jederzeit angeboten werden.
Trainer
Mit den Trainern waren und sind die Kursteilnehmer sehr zu frieden. Sie sind mit sehr viel Wissen ausgestattet. Die Trainer verfügen über unterschiedliche Ausbildungen in der IT Branche, wie einem Master in Computer Applications oder einen Master in Electronics. Neben ihren Ausbildungen an den Universitäten verfügen sie ebenso über praktische Erfahrungen, die sie während ihrer Arbeit für IT-Firmen erworben haben. Sie bilden sich ständig weiter, wenn sie einmal keinen Kurs geben, dann arbeiten sie daran ihr Wissen über ihr Fach zu vergrößern. Selbst wenn sie Kurse geben versuchen sie sich zu bilden, auch nur für eine Stunde am Abend. Ausbildung und Weiterbildung ist für sie sehr wichtig.
Zu unterrichten ist für die Trainier eine Leidenschaft, es freut sie wenn sie gemeinsam mit ihren Kursteilnehmern etwas erarbeiten können. Ich traf einen Trainer der sich mit Zertifizierungen für Java Applikationen beschäftigt. Ein solcher Kurs dauert 25 Tage bis er absolviert ist, so dass er meinte, er verbringe mehr Zeit im Trainingscenter als daheim bei seiner Frau. Dies stört ihn nicht allzu sehr, denn er liebt es zu unterrichten. Er ist der Meinung, dass Java Kenntnisse in Zukunft mehr gefragt werden sein, aufgrund des ständigen Wachsens von Oracle.
Unter den Kursteilnehmern befinden sich meistens nur Männer, dafür sind 50 % der Trainer Frauen. In manchen Zertifizierungen wie Java oder Informationen Security sind zu 99,9% Männer vertreten. In einigen Bereichen wie dem SQL Server Bereich ist die Aufteilung schon besser, zwar sind hier immer noch 70% Männer, dafür besuchen auch 30% Frauen diesen Kurs.
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