(22.1.2012, 16:47) Wir hatten im ersten Teil über die die Sicht des Co-Gründers der Firma ARM gesprochen, die 95% der Handys, Tablets, Kameras und aller anderen elektronischen Konsumentenartikel mit den Prozessoren versorgt. Hauser sieht die Architektur der Smartphones als fünfte Welle des Computings, die den PC ablösen wird.
1997 gründete Hauser gemeinsam mit Anne Glover und Peter Wynn das Venture Unternehmen Amadeus Capital Partners, einen der führenden Techno-Venturer Europas. Er sitzt als Non-Executive Director in vielen Aufsichtsräten der Unternehmen, in die Amadeus investiert ist.
Derzeit hat Amadeus mit 5 Fonds rund 600 Millionen Euro in etwa 100 Unternehmen investiert. Ein weiterer Fonds ist in Vorbereitung. 20% der Firmen sind in Cambridge angesiedelt, wie auch die ARM Holdings plc und Hermann Hauser mit Amadeus. Insgesamt ein Drittel des Volumens sind im UK investiert, danach folgt Skandinavien und weitere europäische Länder. Hauser bedauert, dass es noch keine Investments in Deutschland oder Österreich gibt, ist er doch gebürtiger Wiener, der auch in Wien Physik studierte.
Wir fragten ihn zuerst über seine Meinung über den derzeit in der Mobilfunkbranche laufenden Patentkrieg. „Jeder der einen englischen Satz schreiben kann erhält in den USA ein Patent. Es bleibt dann den Gerichten überlassen, die Gültigkeit dessen zu beurteilen, was hier angemeldet wurde“, lässt Hauser kein gutes Haar am derzeitigen System.
Wie sich das auf Investments in Start ups auswirkt? „Wir investieren praktisch nur mehr, wenn Aussicht auf Patentierbarkeit besteht.“ Vorzeigebeispiel dafür ist das in Cambridge domizilierte Start up Nujira, das bereits 100 Patente angemeldet hat. Das CleanTech-Unternehmen will mit seiner Technologie die Energieeffizienz in Smartphones nachhaltig verbessern. Mit der Technologie von Nujira sollen laut Hauser Smartphones und Handys 30 bis 50 Prozent sparsamer werden. 
Als weiteres Bespiel nennt Hauser das schwedische Start up Tobii, das Hauser gleichzeitig als Beispiel für einen Megatrend nennt, der auf die Computerindustrie zukommen wird. Mit der Technologie von Tobii kann man einen Computer mit den Augen steuern. Mit Kameras wird festgestellt, wohin der User blickt und daraufhin entsprechende Aktionen ausgelöst. Damit kann man zum Beispiel durch ein Fotoalbum blättern. „Die Steuerung mit den Augen ist wesentlich schneller und komfortabler als mit Finger oder Maus“, hebt Hauser die Vorteile hervor.
Das System besteht aus zwei Leuchtdioden (LED) und zwei Kameras, für jedes Auge eine. Die LEDs sendeten Infrarotlicht aus, das auf dem Augapfel des Nutzers Reflexe erzeugt. Die Kameras nehmen diese Reflexe auf und eine Software errechnet daraus, wohin der Nutzer gerade schaut.
Tobii erzielt mit der Vermarktung der Technologie bereits 50 Millionen Jahresumsatz, wobei rund 50% mit Technologie für Behinderte erzielt wird. Ein Patient, der beispielsweise unter einer schweren Lähmung leidet und seine Hände nicht mehr bewegen kann, kann mit Hilfe des Eyetrackingsystems kommunizieren: Er bedient eine virtuelle Tastatur mit den Augen, indem er auf die Buchstabentasten schaut.
Für Hauser ist das Thema Awareness überhaupt der nächste große Trend im Comuting. Er zitiert Bill Buxton, der sagte, ein Pissoir weiß mehr über die Nähe eines Nutzers als ein PC.
Auch Displays sind eine große Entwicklungschance. Die Firma Plastic Logic, in die Hauser schon seit längerer Zeit investiert, entwickelt Polymerdisplays, die aufgepinselt werden können. In einer Fabrik in Dresden wurden 700 Millionen Euro investiert um eInk Displays für eReader für russische Abnehmer zu produzieren.
Die Situation für Start ups und Hightech Firmen in Europa sieht Hauser nicht sehr rosig. Es fehle nach wie vor an Venture Capital um clevere Ideen marktreif zu machen und zu vermarkten. Gemessen am BIP steht nur 25% dessen zur Verfügung wie in den USA.
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