Google I/O Keynote ohne Android und ohne Hardware - die Hintergründe dafür

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Google I/O Keynote ohne Android und ohne Hardware - die Hintergründe dafür

 
 

Die Schwerpunkte bei der Google I/O 2013 liegen bei den Web Services. Dank Android kann Google diese frei über die wichtigsten Plattformen in über 90% des Marktes verbreiten. Die Entwicklung von Android tritt nun etwas in den Hintergrund.

 

(16.05.2013, 19:15) So gut wie alle Prognosen über die Inhalte der dreistündigen Keynote gestern zur Eröffnung von Googles Entwicklerkonferenz I/O 2013 waren falsch. Die Tech Medien listeten immer zuerst Android 4.3, dann das Nexus 7, Google Glass oder Google TV. Nichts davon kam vor in der Keynote.

Naja, Android am Rande, denn Sundai Pichar erwähnte kurz den Anstieg an Aktivierungen. Und Hardware kam auch vor, aber nur insofern als die Teilnehmer ein Chrome Pixel mitnehmen dürfen und das Galaxy S4 um 649 Euro ab 26. Juni mit Stock Android in der US-Version des Google Play Store zu haben sein wird.

Der Rest und der Schwerpunkt waren aber Web Services in verschiedenen Bereichen - und Web Services sind Google Kernkompetenz, Betriebssysteme wie Android und ChromeOS sowie die Hardware sind eher defensiver Natur.

Vorgetragen wurden die Neuheiten in der typischen Art von Computer Nerds und gezeigt fast immer parallel am PC, Android und iOS. Erfrischend war das völlige Fehlen des Marketing-Bla-Bla, das die Keynotes oder Präsentationen anderer Marktführer und Unternehmen manchmal so unerträglich macht. Teils ging es bis an die Grenze der Selbstverleugnung und Google war neben dem Produkt oder der Lösung bestenfalls eine Randnotiz.

Google ist vor allem und zuerst eine Web Company und deshalb drehte sich die Keynote um Web Services. Manches davon können wir bereits nutzen wie das neue Layout und neuen Funktionen in Google+. Oder das neue Google Maps, allerdings nur am PC im Firefox oder Chrome Browser.

Services sind auch das, wo Google exzellent ist und womit sie ihre Umsätze generieren. Das ist auch der Grund, warum Google die populärsten Apps für iOS macht, obwohl das iPhone und das iPad mit Android konkurrieren. Tatsächlich finde ich Google Maps am iPhone sogar besser als unter Android.

Apple dagegen verdient in erster Linie mit der Hardware und das ist auch der Grund warum ihre eigene Software und Services ausschließlich auf Apples Hardware zu haben sind.

Apple investiert in Software, Apps und Services primär um damit ihre Profite aus der Hardware zu steigern und zu schützen. Sie auf anderen Plattformen verfügbar zu machen, wäre kontraproduktiv für Umsatz und Gewinn. Google auf der anderen Seite verbreitet seine Services so weit wie möglich, denn jede Plattform erweitert ihren adressierbaren Markt.

Und Android? Warum sollte sich Google dann in den Kampf um die Betriebssysteme begeben? Die gestrige Keynote bestätigt die Theorie, dass Android ein Projekt vorwiegend defensiver Natur war und ist. Was Google damit verhindern wollte ist, dass neuerlich ein Monopol eines Unternehmens entsteht, wie das Microsoft mit Windows im PC Markt geschafft hat. Siehe auch die Geschichte des Browsers Netscape und wie dieser von Microsoft abgewürgt wurde.

Deshalb ist Android auch ein offenes System, dessen Source Code regelmäßig öffentlich gemacht wird. Nur die darauf laufenden Web Services wie Maps, Gmail und andere sind proprietär und nicht-öffentlich.

Eine ähnliche Rolle dürfte auch Chrome OS spielen und Google wird seine Services wohl auch Mozillas Firefox OS zur Verfügung stellen, eine Organisation mit der Google freundschaftliche Bande verbinden wie CEO Larry Pages freundlichen Bemerkungen über Mozilla zu entnehmen war.

Sundai Pichar, dem nun nach der Ablöse von Ex-Android-Chef Andy Rubin sowohl die Chrome- wie auch die Android-Division unterstehen, ließ in seinen Aussagen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. So sagte er:

Die meisten von uns haben die PC Revolution erlebt. Eine unglaublich wichtige Revolution. Sie startete etwa 1980, aber wenn man zurückblickt auf die vergangenen 25 Jahre, so mussten die meisten Leute auf der Welt gerade ein Betriebssystem nutzen, nämlich Windows.

Aus Googles Sicht ist das natürlich eine negative Sache. Im Jahr 2005 hat Google Android akquiriert. Smartphones erobern im Moment die Welt und haben immer mehr Einfluss auf unser tägliches Leben. Und diese Smartphone Welt, soll von niemand mehr monopolisiert werden können, wenn es nach Google geht.

In den Worten von Sundai Pichar:

Wir sind sehr froh bei Google, dass wir zwei Plattformen haben - Chrome und Android. Beide sind dafür geschaffen, dass Entwickler darauf eine tolle Erfahrung aufbauen können. Wir bei Google arbeiten auch hart an Services auf der Basis dieser Plattformen. Wir nennen es das Beste von Google.

Die Vereinheitlichung dieser Services für alle wichtigen Plattformen - Android iOS und PC - war auch ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Präsentationen zog. Und wahrscheinlich auch einer der Gründe für die Ablösung von Andy Rubin durch Sundai Pichar.

Deshalb wurden auch alle Prognosen über ein Android 4.3 oder ein Nexus 7 enttäuscht. Statt dessen wurden die Verbesserungen von Funktionen jeweils quer über alle Plattformen diskutiert.

Android und iOS beherrschen als Duopol über 90% des mobilen Marktes. Windows Phone und BlackBerry sind in die Bedeutungslosigkeit zurückgefallen. Für Google macht es wenig Sinn die Anteile von Android noch weiter auszuweiten, neue Versionen haben daher geringere Priorität als die Web Services. Die Strategie mit Android ist damit voll aufgegangen.

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Quellen Techpionions stratechery

( Peter F. Mayer )

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