Facebook hat heute möglicherweise ein neues Zeitalter der Kommunikation eingeläutet. Das führende Social Media Unternehmen bringt nicht nur einfach eine E-Mail-Funtkion, sondern verbindet Kommunikation mit den FreundInnen – dem Social Graph.
(15.11.2010, 23:55) Vor der heutigen Pressekonferenz von Facebook gab es wie üblich die wildesten Spekulationen über den Inhalt. Aber Facebook hat es wieder einmal geschafft, diese zu übertreffen. Und den Livestream verfolgten zeitweilig mehr als 30.000 Zuseher.
Laut Zuckerberg ist E-Mail viel zu kompliziert und zu formell. Jugendliche wollen sich keinen Betreff ausdenken und sich mit freundlichen Grüßen verabschieden - so wollen direkt zur Sache kommen. Deshalb hat man keine Funktionen zu E-Mail hinzugefügt, sondern im Gegenteil reduziert, vereinfacht. Über 350 Millionen User nutzen schon die Nachrichten Funktion von Facebook. Und pro Tag würden mehr als 4 Milliarden Nachrichten und Postings ausgetauscht.
Das Unternehmen verfolgt konsequent die Strategie des Social Graph. Ja natürlich, man kann sich demnächst eine Mailadresse facebook.com besorgen – aber das ist bei weitem nicht alles. Die Inbox ist konsequent in drei Bereiche unterteilt: FreundInnen, Mail und Junk. Wobei Facebook davon ausgeht, dass die FreundInnen am wichtigsten sind. Es werden auch nicht mehr die einzelnen Mails angezeigt, sondern die Personen und mit einem Klick darauf sieht man die gesamte Kommunikation, die man je geführt hat - egal ob per Chat, SMS, oder Mail. Aber der User hat die Möglichkeit auch normale Mailkontakte in die oberste Eben zu verschieben und umgekehrt.
Vielen von uns geht es mittlerweile so, dass wir unterschiedliche Kommunikationskanäle haben. Ich nutze etwa klassisches E-Mail, Facebook-Nachrichten und Chat, SMS, Twitter-Direktnachrichten und einiges mehr. Das alles will nun Facebook in einer Inbox vereinen:

Facebook liefert also etwa, was bisher unter dem Begriff Unified Communications bekannt war – nur eben nicht in der Outlook Inbox, sondern bei Facebook. Und das inklusive dem Facebook Chat, wobei aber Twitter (natürlich) auf der Strecke bleibt.
Facebook will kein geschlossenes System mehr sein, sondern mit anderen Mailsystemen zusammenarbeiten. Bisher war Facebook ja ein geschlossenes System und Benutzer konnten nur untereinander kommunizieren. Nun soll man Nachrichten auch mit jenen austauschen können, die keinen Facebook-Account haben - dazu wird eben die Facebook.com Mail Adresse eingerichtet.
Und Facebook bietet auch Fortschritte gegenüber herkömmlichen Kommunikationsmethoden. Ich wechsle recht häufig Smartphones und Computer. Und dabei bleibt natürlich immer irgendetwas auf der Strecke. Facebook bietet nun nicht nur die Social Inbox, sondern verspricht auch meine historischen Daten aufzuheben in der Conversation History:

Bei der Präsentation zeigte Facebook Entwickler Andrew Bozworth die Nachrichten, die er in den letzten vier Jahren mit seiner Freundin ausgetauscht hat. Facebook vergisst nichts.
Facebook verspricht auch einen besonderen Schutz gegen unerwünschte Nachrichten. "Wir können Nachrichten hervorragend filtern", sagte Zuckerberg. Der User muss nur seine Kontakte bei Facebook abspeichern und alle anderen werden dann geblockt.
Und übrigens: Facebook wird sich den Inhalt der Nachrichten nicht ansehen, das hat zumindest Marc Zuckerberg bei der Pressekonferenz versprochen, sondern nur Werbung zustellen, die den in Facebook angegebenen Interessen entsprechen. Offensichtlich will Facebook nun die private Kommunikation seiner 500 Millionen Mitglieder für diese (in der Cloud) aufheben. Und verspricht sie nicht anzusehen. Aber wie Michael Niavaaini schon treffend feststellte: „Facebook ist Stasi auf freiwilliger Basis.“
Verfügbar werden soll das neue System zunächst nur auf Einladung und schrittweise. Die Erfahrungen der ersten User sollen genutzt werden um das System zu verbessern. Bis die neuen Funktionen also auch bei uns zu haben sein werden, wird noch einige Zeit vergehen.
Was übrigens nicht erwähnt wurde und auch nicht im Blog enthalten ist, ist die tiefe Integration mit Microsofts Web Apps. Aber das ist ganz klar notwendig, denn Dokumente, Spreadsheets und PowerPoints sind sehr oft als Anhang in Mails enthalten. Und Facebook kann die User nur dann innerhalb ihrer Plattform halten, wenn diese auch alle Attachments öffnen können, ohne Facebook zu verlassen. Das ist allerdings bisher nur aus Äußerungen von Microsoft Managern wie etwa Takeshi Numoto, Microsofts VP der Office Product Management Gruppe zu entnehmen.
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