Deutsche Behörden gegen Facebook-Partys
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Deutsche Behörden gegen Facebook-Partys

 
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Die Verbotsdebatte zu Facebook-Massenevents ist wieder aktuell, nachdem sich die Vorfälle häufen. Deutsche Politiker wollen jetzt stärker dagegen vorgehen.

 

(09.07.2012, 13:00) Facebook-Parties sind ein teurer Spaß. Das zumindest bekommt die Polizei in letzter Zeit recht häufig zu spüren. Immer wieder müssen die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot ausrücken, um Ausschreitungen zu verhindern wenn wieder einmal jemand die gesamte Facebook-Gemeinde zum Feiern eingeladen hat. Die deutschen Behörden wollen jetzt die Konsequenz ziehen und in Zukunft alle Kosten für Polizeieinsätze den Verursachern in Rechnung stellen und derlei Veranstaltungen schon vorab verbieten.

 

Nachdem sich Massen-Partys via Facebook in letzter Zeit häufen, sehen viele deutsche Politiker Handlungsbedarf. Ihr Argument – jugendlicher Leichtsinn dürfe nicht auf Kosten und zum Schaden Dritter oder der Allgemeinheit gehen.

 

Feiern müssten im Vorhinein untersagt werden, „wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird“, so etwa Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann von der CDU. Massenveranstaltungen dieser Art müssten mit Platzverweisen aufgelöst werden und die Veranstalter zur Verantwortung gezogen werden.

 

Die Verantwortlichen für eine aus dem Ruder gelaufene Feier zu ermitteln gestaltet sich oft schwierig. Waren es erst häufig einfach Pannen beim Erstellen eines Facebook-Events  die dazu führten dass der Teenager-Geburtstag zum ungeplanten Massen-Event zu werden drohte, so steckt häufig auch Absicht dahinter. In einigen Fällen wurden die Einladungen über Fake-Accounts versendet und die Urheber konnten nicht ausfindig gemacht werden.

 

In den vergangenen Monaten hatten Partys, zu denen via Facebook aufgerufen worden war und über die schon im Vorfeld ausführlich berichtet worden war, zu massiven Polizeieinsätzen und Sachschäden geführt. Seither wird schon darüber diskutiert, wer die Verantwortung trägt: Facebook, die Nutzer, die zur Veranstaltung aufrufen, oder etwa die Medien, die durch die Berichterstattung erst auf die Massenveranstaltung aufmerksam machen.

 

Ironischerweise versuchte sich CDU-Spitzenpolitiker Horst Seehofer noch im Mai selbst in der Party-Organisation via Facebook: Auf seinem Profil lud er zur „Fanparty“ ein, für die sich innerhalb weniger Tage über 2.500 Gäste ansagten. Auf dem extra reservierten Riesengelände, beschützt von zahlreichen Securities, erschienen schließlich nur eine Handvoll Jugendlicher.

 

Auch die österreichische Polizei hat schon zur Genüge Bekanntschaft mit der Eigendynamik der Facebook-Community gemacht. Erst am Samstagabend hatten rund 1.400 Party-Willige ihr Kommen zu einer Home-Party in Klosterneuburg zugesagt. Im Laufe des Abends tauchten laut offiziellen Angaben tatsächlich an die 700 „Gäste“ auf, die relativ friedlich auf der Straße feierten, bis die Polizei die Versammlung auflöste.

 

Natürlich kann es kein Totalverbot für solche Feierlichkeiten geben, im Grunde wurde von der Politik nur gefordert, dass bereits bestehende Gesetze Anwendung finden. Abschwächend bezeichnet ein deutscher Minister solche Veranstaltungen als „Bestandteil der Jugendkultur“.

 

Kritiker werfen der Politik Übertreibung und altmodische Ansichten vor. Dass Jugendliche sich von niemandem über 30 etwas vorschreiben lassen wollen ist ja wirklich nichts Neues. Klassischerweise verstärkt ein enormes Polizeiaufgebot bei einem Event doch noch den Reiz des Verbotenen. Was früher illegale Parkplatz-Partys waren sind heute eben Flashmobs und Facebook-Massen-Partys.

 

Vielleicht macht man es sich hier einfach, die Schuld für öffentliche Massenumtrünke vorwiegend bei sozialen Netzwerken wie Facebook zu suchen. Da Flashmobs dieser Art gerade in aller Munde sind, löst schon die mediale Berichterstattung darüber im Vorfeld einen solchen Hype aus, dass der Exzess fast unausweichlich scheint.

 

Wilde Partys mit ungeladenen Gästen sind kein Phänomen des Internet-Zeitalters. Im Grunde zeigen solche Flashmob-ähnlichen Ereignisse nur einen neuen Aspekt, den unser Doppelleben in Social Networks mit sich bringt, nämlich dass die Grenzen zwischen realer und digitaler Welt eben doch dünn sind.

 

Wenn man auch randalierende Jugendliche und Massenaufläufe alkoholisierter Teenager als negatives Extrembeispiel sicher nicht gutheißen kann, erkennt man daran doch wieder, wie groß die Mobilisierungskraft des Internets sein kann. Allerdings auch, wie leicht sich sie Grenzen zwischen öffentlich und privat in Luft auflösen, nur weil man vergisst ein kleines Häkchen beim Erstellen einer Facebook-Veranstaltung wegzunehmen.

 

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