Die App-Economy besitzt sowohl ökonomisches Potenzial, als auch Zerstörungskraft. Die Netzbetreiber geraten zunehmend unter Druck.
(Düsseldorf, 5.2.2010) Die von Apple eingeläutete Apps-Economy macht den Netzbetreibern laut Branchenexperten zunehmend zu schaffen. Die klassische TK-Branche muss auch selbst verstärkt in neue Geschäftsmodelle und Innovationen investieren um überlebensfähig zu bleiben.
Neuer Markt
Durch das iPhone wurde von Apple innerhalb der vergangenen drei Jahre ein völlig neuer Markt geschaffen, der alleine in den USA den Datenverkehr um das Zehnfache anstiegen lies. "Der Erfolg des iPhones von Apple und der damit verbundenen Bezahlinhalte zeigen eindrucksvoll das ökonomische Potenzial, aber auch die Zerstörungskraft dieser Entwicklung. Ich habe als Berater der TK-Branche noch nie zuvor dramatischere Veränderungen erlebt. Was sich in den vergangenen 13 Jahren abgespielt hat, war relativ stabil und homogen. Was jetzt gerade passiert, ist eine komplette Neuordnung der TK-Welt und der Wertschöpfungsketten", sagte Roman Friedrich, Telekommunikationsexperte des Beratungshauses Booz & Company.
TK-Dilemma
"Mit dem iPhone und möglicherweise mit dem iPad hat Apple eine umsatzträchtige Schnittstelle zum Kunden und verdient sowohl über die Hardware, als auch über Inhalte", erklärte Friedrich. Dementsprechend geraten die Netzbetreiber unter Druck, da die Umsatzanteile zunehmend schrumpfen, denn durch klassische Sprach- und Datendienste können die Netzbetreiber nicht mehr punkten. Einen ebensolchen Rückwurf sieht Friedrich auch beim Wettkampf um die mobilen Kunden-Schnittstellen gegeben. Der Anteil der TK-Konzerne im britischen Markt lag in der Frühphase des mobilen Webs vor drei Jahren noch bei 57 Prozent, ein Jahr später schrumpfte er bereits auf 22 Prozent.
"Gleichzeitig zwingt die rasant steigende Nachfrage nach Datenapplikationen zu ständigen Investitionen beim Netzwerkausbau. Das drückt weiter auf die Marge. Schließlich erfordern sowohl feste als auch mobile Netze permanente Bandbreitenerweiterungen", so der TK-Experte von Booz. Das Dilemma: Während die Margen bei den Netzbetreibern durch den stetigen Investitionsbedarf sinken, fahren marktfremde Player wie Apple die Gewinne ein. "Die klassische TK-Branche gerät immer stärker in eine prekäre Situation. Wenn sie nicht weiter angestammtes Terrain verlieren will, muss sie jetzt konsequent in Innovationen, Inhalte und neue Geschäftsmodelle investieren", so das Fazit von Friedrich.
Partizipation
Entsprechend des verheerenden Dilemmas bleibt den Netzbetreibern nur der Weg über, selbst ebenfalls an der App-Welle zu partizipieren. In den nächsten fünf Jahren erwarten sich Experten einen Anstieg der App-Downloads von 1,4 Milliarden auf rund 19 Milliarden. Das entspricht einem Umsatz von 17 Milliarden Euro für die Anbieter. Laut Friedrich werden konvergente Betreibermodelle, eine radikale Kostenreduzierung und die Entwicklung zum 'Smart Innovator' notwendig.
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